EADS geht von Anrechnung als Gegengeschäft aus

20. September 2002, 14:14
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Eurofighter-Anbieter wartet auf neue Verhandlungstermine

Wien/Graz - Der Eurofighter-Anbieter European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) rechnet fix damit, dass der nach Graz vergebene Auftrag für die Fertigung des Jeep Cherokee in dem Rüstungsdeal als Gegengeschäft angerechnet wird. Der Auftrag werde aber auch dann in Graz bleiben, wenn Österreich den Eurofighter nicht kaufen sollte, so EADS-Manager Aloysius Rauen am Freitag. Verhandlungstermine für den Abfangjäger-Kauf gebe es derzeit nicht. Man stehe aber "Gewehr bei Fuß".

Laut Rauen sei der Jeep-Auftrag eigentlich schon an einen US-Standort vergeben gewesen. EADS als Teil des DaimlerChrysler-Konzerns habe dann mitgeholfen, die Türe für Magna-Steyr wieder zu öffnen: "Da hat EADS schon ein ganz gewaltiges Stück mitgeschoben."

"Mit Risiko leben"

Dass der Vertrag für die Auto-Produktion nun schon fixiert sei, bevor der Eurofighter-Deal unter Dach und Fach ist, sieht Rauen als das Risiko auf der Seite seines Unternehmens: "Das ist das Risiko, mit dem wir einfach immer leben müssen. Wir möchten nur, dass man hinterher nicht vergisst, wie es zu Stande gekommen ist. Und das heißt, dass das als Gegengeschäft angerechnet wird."

EADS wird die Anrechnung wohl auch brauchen, um das Versprechen einzulösen, bereits bei Unterschrift des Eurofighter-Vertrag eine "ganz erhebliche Summe" an Gegengeschäften mit zu unterzeichnen. In diesem Zusammenhang war bisher eine Milliarde Euro genannt worden. Nach der Reduzierung der Stückzahl von 24 auf 18 Stück werde auch dieses Summe verringert, so Rauen. Eine Größenordnung dafür wollte er aber nicht nennen. Dies sei noch Verhandlungsgegenstand. Auch der Jeep-Auftrag wurde am Freitag bei der Unterzeichnung nicht beziffert, bisher wurden immer 400 Millionen Euro genannt.

Kompensationsgeschäfte

Laut Rauen ist EADS auch bei anderen Kompensationsgeschäften schon "richtig weit". Details wollte er aber nicht nennen, man befinde sich noch in Verhandlungen: "Das, was noch nicht unterschrieben ist, möchten wir noch nicht nach außen tragen." Auf die Frage, ob auch der ebenfalls mit 400 Mill. Euro bezifferte Airbus-Auftrag für FACC damit gemeint sei, meinte er nur, dies sei möglich. Ob weitere Deals noch vor der Nationalratswahl am 24. November veröffentlicht werden: "Das kann ich im Moment ganz ehrlich nicht sagen."

Klar sei freilich bei allen Gegengeschäften, dass die Qualität des Anbieters - im konkreten Fall Magna-Steyr - stimmen müsse: "Das ist immer das Eintrittsticket." (APA)

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