Infineon will Weltmarktanteil verdoppeln

20. September 2002, 14:18
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Weiterer Stellenabbau derzeit nicht geplant

Der Halbleiterhersteller Infineon will gestärkt aus der Branchenkrise hervorgehen und seinen Weltmarktanteil in den kommenden fünf Jahren verdoppeln. "Ich habe nicht den Mut, im nächsten Jahr einen riesigen Aufschwung zu sehen", sagte Konzern-Chef Ulrich Schumacher am Freitag in München.

Systemlösungen als Zukunftsmarkt

Infineon wolle angesichts des anhaltenden Preisdrucks bei vielen Produkten unter anderem das profitablere Geschäft mit Systemlösungen stark ausbauen. Ein weiterer Stellenabbau ist derzeit nicht geplant. Sollte die Weltwirtschaft weiter nach unten kippen, sei dies aber nicht ausgeschlossen.

Die schwerste Krise

Die Chipbranche erlebt derzeit ihre schwerste Krise. "Sie dauert auch deutlich länger als alles, was bisher da war", sagte Schumacher. Für die nächsten zwei Quartale sei keine Besserung in Sicht. In der Flaute ließen sich aber Verbesserungen intern oft einfacher durchsetzen. Nach dem Sparprogramm "Impact", mit dem Schumacher nach eigenen Angaben die Kosten um mehr als zwei Milliarden Euro drückte, sollen nun die Geschäftsabläufe weiter optimiert werden. Davon verspricht er sich nochmals Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Der Fünf-Jahres-Plan

Im Rahmen des neu vorgestellten Fünf-Jahres-Plans will Infineon bis 2007 zu den vier größten Halbleiterherstellern der Welt gehören. Derzeit sieht sich das Unternehmen mit einem Marktanteil von drei Prozent auf Rang sechs. Bei der Profitabilität will Infineon in allen Geschäftsbereichen sogar zu den zwei besten Anbietern gehören.

"Kein Übernahmekandidat"

Der Infineon-Aktienkurs ist zuletzt, wie bei den Wettbewerbern auch, drastisch gesunken. Am Freitag stieg er leicht auf 7,70 Euro. Im Frühjahr kostete die Aktie noch 29 Euro. Schumacher sieht das Unternehmen aber nicht als Übernahmekandidaten. Schließlich hätten die Konkurrenten ebenso an Wert eingebüßt. Seinerseits plant Schumacher eher Technologie-Partnerschaften, denn größere Akquisitionen. Diese kosteten wegen der schwierigen Integration nur Zeit.

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2001/02 (30. September) erzielte die Infineon Technologies AG (München) im Konzern einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 850 Mill. Euro. Eine Prognose für das laufende Quartal wollte Schumacher nicht abgeben. Er sagte aber, die Preise für Speicherchips hätten sich zuletzt schwach entwickelt und lägen noch immer unter den Herstellungskosten.(APA/dpa)

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