Jungunternehmer warnen vor "Kreditfalle Bank"

20. September 2002, 12:55
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Finanzierungslücke einer jungen Firma ist 150.000 Euro groß - Junge Wirtschaft Österreich fordert alternative Finanzierungsformen

Wien - "Österreichs Jungunternehmer müssen versuchen, aus der Kreditfalle der Banken herauszukommen", sagte Manfred Pletzer, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft Österreich (JWÖ), anlässlich den zehnten für junge Unternehmer und Führungskräfte, der am Freitag und Samstag in Krems stattfindet. Angesichts der Tatsache, dass junge Unternehmer eine Finanzierungslücke von durchschnittlich 150.000 Euro haben, seien dringend alternative Finanzierungsformen notwendig.

Vor dem Hintergrund der neuen Eigenkapital-Richtlinien von Basel II werde es in Zukunft für Jungunternehmer noch schwieriger werden, an Fremdkapital heran zu kommen, betonte Pletzer. Dies erhöhe die Gefahr von Finanzierungsengpässen, wie auch die restriktive Vergabe von Krediten durch Banken zeige.

Pletzer: Banken inkonsistent

Wie eine von der Universität Linz durchgeführte Umfrage zeige, schätzen es Österreichs Jungunternehmer als äußerst schwierig ein, genügend Kapital von Banken zur Gründung zu erhalten: 60,7 Prozent beurteilen die Bereitschaft der Kreditvergabe durch Banken mit "sehr gering", nur 3 Prozent mit "hoch".

Pletzer wirft den Banken daher vor, bei der Vergabe von Krediten in ihrer Entscheidung "inkonsistent" zu sein. Zudem erwarten Kreditinstitute von jungen Unternehmern oft zu hohe Renditen. Daher sei "die einzige Bank, auf die man sicher setzen könne, die Parkbank", so Pletzer: "Banken wollen Sicherheiten, geben jedoch Unsicherheiten an die Unternehmer weiter".

Steuererleichterungen gefragt

Österreichs Jungunternehmer bekräftigten zudem ihre Forderung nach einer steuerlichen Begünstigung des Eigenkapitals. Eine Umfrage unter den 23.000 Mitgliedern der Jungen Wirtschaft Österreich" (JWÖ) hat ergeben, dass drei Viertel der Befragten Steuererleichterungen beim Eigenkapital für sehr wichtig oder wichtig halten.

Als Wunsch an den künftigen Finanzminister bekräftigte Pletzer daher erneut die Forderung nach einem Beteiligungsfreibetrag und einer steuerlichen Gleichstellung von Eigenkapital- und Fremdkapitalzinsen. Wenn sich ein Privater an einem Unternehmen beteiligt, sollte er einen gewissen Anteil des Beteiligungsbetrages als Freibetrag absetzen können, erläutere Pletzer. Spätestens 2004 sollten diese Forderungen im Steuerpaket enthalten sein. (APA)

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