Miniballons retten zusammengebrochene Wirbelkörper

22. September 2002, 12:00
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Neue Methode hilft bei Osteoporose - Einsatz auch bei Bandscheibenvorfall denkbar

Witten/Herdecke/Nordrhein-Westfalen - Zusammengebrochene Wirbelkörper können künftig mit Miniballons wieder aufgerichtet werden. Die neue Methode, die am Grönemeyer-Institut für Mikrotherapie in Bochum eingesetzt wird, soll vor allem Osteoporose-Patienten helfen, wie die Universität Witten/Herdecke (Nordrhein-Westfalen) berichtete. "Patienten mit einer bestehenden Querschnittslähmung kann aber nach wie vor nicht geholfen werden", betonte Professor Dietrich Grönemeyer.

Die neue Methode ähnelt dem Einsatz von Ballon-Kathedern zur Weitung verstopfter Herzgefäße. Bei der Ballon-Kyphoplastie werden zwei Ballons in den Wirbelkörper platziert und vorsichtig unter Druck mit Flüssigkeit aufgeblasen. Dadurch hebt sich die eingebrochene Wirbelkörper-Endplatte, und es entsteht ein Hohlraum, der anschließend mit speziellem Knochenzement aufgefüllt wird. Der Patient ist bei dem Eingriff hellwach, die Behandlungsregion nur örtlich betäubt.

Die zusammengebrochenen Wirbelkörper verursachen nach Angaben des Mediziners starke Rückenschmerzen. "Schmerzmittel, Osteoporosemedikamente, Korsetts und Physiotherapie können die Schmerzen der Patienten nicht beherrschen, sodass häufig eine teure stationäre Behandlung erforderlich ist", sagte Grönemeyer. Die Patienten würden zunehmend unbeweglich, was sich besonders bei der Osteoporose schlecht auf den Krankheitsverlauf auswirke.

In Zukunft soll nach Angaben des Experten das Prinzip der Mini-Ballons möglicherweise auch auf Patienten mit Bandscheibenvorfällen übertragen werden. Die Wissenschafter arbeiten derzeit an einer Technik, mit der kleine Ballonkissen zwischen die Wirbel gespritzt werden. So könne möglicherweise der verschlissene Bandscheibenknorpel ersetzt werden. "Wir sind aber noch in der experimentellen Phase", betonte Grönemeyer. (APA)

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