Taslima Nasrin erhält Erwin-Fischer-Preis

20. September 2002, 11:01
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Die feministische Autorin mußte aus Bangladesch fliehen, weil sie den Islam kritisiert

Die bengalische Ärztin und Schriftstellerin Taslima Nasrin wird auf einer internationalen Konferenz in Speyer vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. am Samstag den Erwin-Fischer-Preis erhalten.

Damit würdigt der IBKA e.V. ihr Engagement für Weltanschauungsfreiheit und die Rechte der Frauen. Bevor sie 1994 Bangladesh verlassen musste, wies Nasrin in ihren Zeitungskolumnen hauptsächlich auf die Unterdrückung der Frauen in religiös geprägten Gesellschaften hin. Sie kritisierte, dass die Männer ihre patriarchale Macht auch heute noch mit der Religion begründen. Das lenkte den Zorn der Fundamentalisten auf die Autorin. 1993 spitzte sich die Lage zu, als sie in ihrem Roman "Lajja - Scham" anhand einer fiktiven Familie die reale Diskriminierung der hinduistischen Minderheit in Bangladesh, wo der Islam Staatsreligion ist, thematisierte. Im September 1993 wurde die Fatwa über sie verhängt, worauf sie 1994 nach Schweden auswanderte.

Nasrin lebt seitdem im Exil und hat etliche Auszeichnungen bekommen, neben Literaturpreisen unter anderem den Menschenrechtspreis der französischen Regierung und den Sacharow-Preis des europäischen Parlaments.

Der Erwin-Fischer-Preis - benannt nach dem 1996 verstorbenen gleichnamigen Rechtsanwalt und Bürgerrechtler - wird zum dritten Mal verliehen. Die früheren Preisträger sind Ursula und Johannes Neumann sowie Karlheinz Deschner. Die Laudatio auf Taslima Nasrin wird Christa Stolle halten, die Geschäftsführerin von Terre des Femmes, Menschenrechte fuer die Frau e.V. (red)

Verleihung des Erwin Fischer Preis
Sa., 21. September 2002
ab 20 Uhr
Ort: Raum Kaisertafel
Jugendgästehauses Speyer
Geibstr. 5

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"Man muss den Islam kritisieren"

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