Lambsdorff: Möllemann als Vize-FDP-Chef nicht mehr tragbar

20. September 2002, 13:51
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FDP-Ehrenvorsitzender für Amtsenthebung des stellvertretenden Parteichefs nach neuen Antisemitismus-Vorwürfen

Berlin - Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff geht davon aus, dass der stellvertretende Parteichef Jürgen Möllemann nach dem jüngsten Antisemitismus-Streit nun seines Amtes enthoben wird. Mit Möllemanns jüngstem Flugblatt sei die Grenze zur Intoleranz überschritten worden, sagte Lambsdorff am Freitag im Deutschlandfunk. Damit habe Möllemann der Partei ganz erheblich geschadet, den Wahlkampf der FDP beschädigt und den Aktionsradius des Vorsitzenden eingeengt. "Und wenn jemand der Partei geschadet hat, kann er in dieser Funktion (des stellvertretenden Parteivorsitzenden) nach meiner Meinung nicht verbleiben", sagte Lambsdorff. Entschieden werden müsse dies aber auf einem Bundesparteitag.

Möllemann hatte jüngst in einem Wahlkampf-Flugblatt Israels Ministerpräsident Ariel Sharon und dem Vizevorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, erneut kritisiert. Ähnliche Kritik Möllemanns hatte bereits vor Monaten zu öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen Möllemann und dem Zentralrat der Juden und Kritik aus breiten Teilen der Gesellschaft geführt.

Lambsdorff sagte, am Donnerstag habe es vor dem geplanten gemeinsamen Wahlkampfauftritt Möllemanns mit Parteichef Guido Westerwelle eine eindeutige Distanzierung von Möllemann gegeben. "Gestern Nachmittag um 16:10 Uhr hat mich Jürgen Möllemann angerufen, und dann habe ich ihm gesagt, es wäre besser, er bliebe weg", sagte Lambsdorff. "Das wollte er (Möllemann) nicht. Dann habe ich ihm gesagt, wenn sie nicht wegbleiben, dann werde sie erleben, dass Westerwelle, Genscher und ich den Saal verlassen. Daraufhin ist er weggeblieben. Klarer kann es nicht gehen", sagte der FDP-Ehrenvorsitzende. Möllemann war auf der Veranstaltung kurz aufgetaucht, hatte sie dann aber wieder mit der Begründung verlassen, er habe Hinweise, dass die Veranstaltung von Demonstranten gestört werden solle.

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering kritisierte am Freitag die Vorgänge in der FDP deutlich. "Wenn ich mir angucke, was diese Chaostruppe im Augenblick veranstaltet", sagte Müntefering im ZDF. "Möllemann hat Westerwelle offensichtlich wieder in den Schwitzkasten genommen. Er hat das Sagen. Er bestimmt das Tempo in der Partei." Deshalb könne er nur hoffen, dass man vor einer Koalition mit der FDP bewahrt werde. (Reuters)

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