Alcatel: Alarmglocken läuten

20. September 2002, 15:56
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Belegschaft wird bis Ende 2003 um 23.000 auf 60.000 reduziert

Paris - Der französische Telekomausrüster Alcatel hat am Freitag eine umfassende Restrukturierung angekündigt. Bis zum Ende des nächsten Jahres sollen weitere 23.000 der insgesamt 83.000 Mitarbeiter abgebaut werden, teilte Alcatel am Freitag in Paris mit. Ende vergangenen Jahres arbeiteten bei Alcatel noch 99.000 Personen. Damit wird sich die Mitarbeiterzahl des Konzerns auf rund 60.000 gegenüber Ende 2000 beinahe halbieren.

Der Telekom-Ausrüster kündigte außerdem an, in den nächsten drei Quartalen Abschreibungen von rund 500 Mill. Euro vornehmen zu wollen. Der Umsatz werde auf vergleichbarer Basis im zweiten Halbjahr um zehn Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr schrumpfen. Weiterhin sei angestrebt, die Schuldenlast bis Ende des laufenden Jahres unter den Stand von 2001 zu drücken und im kommenden Jahr wieder "schwarze Zahlen" zu schreiben.

Liquiditätsengpässe

Rund um den Konzern mit Sitz in Paris gab es in der vergangenen Woche eine Reihe schlechter Nachrichten: Gerüchte über Liquiditätsengpässe, Umsatzwarnungen bei der Tochter Optronics. Die Muttergesellschaft erreichte historische Tiefstände bei den Aktienkursen und fiel außerdem aus dem STOXX-Index. Sein Umsatzziel für 2002 werde der Telekomausrüster voraussichtlich nicht erreichen. Der Umsatz im dritten Quartal werde gegenüber dem Vorquartal vermutlich um 15 Prozent zurückgehen. Im zweiten Halbjahr sei im Vergleich mit der ersten Jahreshälfte mit einem Umsatzminus von rund zehn Prozent zu rechnen, so Alcatel.

Nichts desto trotz plane das Unternehmen die Rückkehr in die Gewinnzone für 2003. Vincent Rech, Spezialist von SG Cowen, hält dem entgegen. Die Auftragsbücher von Alcatel dürften sich erst dann wieder füllen, wenn France Telecom und Deutsche Telekom ihre Schuldenprobleme gelöst hätten. Er wolle seine Schätzungen nun nach unten revidieren.

Alcatel dementiert Engpass

Spekulationen um einen Liquiditätsengpass dementierte das Unternehmen am Freitag. Die finanziellen Verpflichtungen könne man uneingeschränkt und ohne die Abspaltung von Vermögenswerten erfüllen. Alcatel halte an ihrem Ziel fest, die Nettoverschuldung bis zum Ende dieses Jahres unter das Niveau des Vorjahres zu verringern.

Aktie mach an Boden gut

Unterdessen machte die Alcatel-Aktie an ihrem letzten Tag im STOXX-Index wieder etwas Boden gut. Gegen 15 Uhr notierte die Alcatel-Aktie an der Pariser Börse bei rund 2,8 Euro - um fast 12 Prozent über dem Schlusskurs des Vortags von 2,51 Euro. Vorübergehend war der Titel wegen Erreichen des oberen Limits vom Handel ausgesetzt worden. Im Spätsommer 2000 stand die Aktie auf ihrem historischen Höchstkurs von 94,50 Euro je Stück. (APA)

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