Staatsanwälte fordern 24 Jahre Haft für Andreotti

20. September 2002, 12:04
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Italiens siebenmaliger Regierungschefs steht wegen Mordes an Journalisten Pecorelli vor Berufungsgericht

Perugia - Die Staatsanwaltschaft von Perugia hat am Donnerstag Abend 24 Jahre Haft für Italiens siebenmaligen Regierungschef Giulio Andreotti beantragt, der wegen des Mordes an dem Journalisten Mino Pecorelli vor dem Berufungsgericht der mittelitalienischen Stadt steht.

Dieselbe Strafe wurden auch für die fünf weiteren Verdächtigten des im Jahr 1979 verübten Mordes beantragt. Es handelt sich um die prominenten Mafia-Bosse Gaetano Badalamenti, Giuseppe Calo, Gaetano Badalamenti, Gaetano La Barbera sowie um den Ex-Minister Claudio Vitalone. Sie wurden von den Staatsanwälten als Auftraggeber des Mordes an Pecorelli bezeichnet, der mit seinen Artikeln in der Zeitschrift OP Andreotti öfters Verbindungen zur Mafia vorgeworfen hatte.

Andreotti (83) war in erster Instanz im September 1999 nach einem dreijährigen Prozess vom Vorwurf entlastet worden, Auftraggeber der Ermordung des Journalisten gewesen zu sein. Mit Andreotti waren auch die weiteren fünf Angeklagte freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte für Andreotti lebenslange Haft verlangt.

Keine neuen Beweise

Die Verteidiger Andreottis kritisierten die Forderungen der Staatsanwälte von Perugia. "Gegen Andreotti haben sie keinerlei neue Beweise vorgebracht. Es handelt sich um dieselben Vorwürfe, die bereits in erster Instanz vorgelegt worden waren. Auch in diesem Fall wird Andreotti freigesprochen werden", versicherte die Rechtsanwältin des christdemokratischen Politikers, Giulia Bongiorno.

Andreotti ist indes weiter bemüht, seine Unschuld zu beweisen. Der Ex-Ministerpräsident, der ebenfalls 1999 in erster Instanz von einem Gericht in Palermo vom Verdacht, der Mafia anzugehören, freigesprochen worden war, steht seit April 2001 in der sizilianischen Hauptstadt vor dem Berufungsgericht. Andreotti hatte im ersten Prozess, der sechs Jahre dauerte, stets seine Unschuld beteuert. Das Verfahren gegen einen der einflussreichsten italienischen Politiker hatte international Schlagzeilen gemacht und war als "Prozess des Jahrhunderts" bezeichnet worden. (APA)

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    Giulio Andreotti

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