Kärnten: "Das wäre die völlige Zerstörung"

19. September 2002, 21:07
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Umweltorganisationen befürchten neue Staumauer im Nationalpark Hohe Tauern

Klagenfurt/Wien - Naturschutz- und Umweltorganisationen befürchten im Nationalpark Hohe Tauern einen neuen Umweltskandal. Die Verbund-Tochter Austrian Hydro Power (AHP) will den ständigen Zufluss des Gletscherschliffs von der Pasterze in den Margaritzen-Stausee stoppen. Jährlich werden etwa 6000 bis 8000 Kubikmeter in den Speicher gedrückt, der deshalb in regelmäßigen Abständen gespült werden muss.

Staumauer geplant

Nun gibt es Pläne der AHP, am Sandersee, der oberhalb des Margaritzenspeichers liegt und den Schliff zunächst aufnimmt, eine Staumauer hochzuziehen. Der Sandersee befindet sich jedoch in der Kernzone des Nationalparks und steht nicht nur unter strengstem Naturschutz, sondern ist auch europäisches Natura-2000-Schutzgebiet.

Der Alpenverein, der Umweltdachverband ÖGNU sowie das Kuratorium Wald protestieren heftig. "Eine Staumauer würde die völlige Zerstörung des Sandersees bedeuten", sagt Peter Haßlacher vom Alpenverein zum STANDARD. Der Bau würde in "klarem Widerspruch zur Nationalparkverordnung, dem Kärntner Naturschutzgesetz, der EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und den IUCN-Richtlinien für Nationalparks" stehen.

Andreas Tschugguel vom Kuratorium Wald befürchtet, dass "bei Gefahr im Verzug" die AHP auf den Mauerbau besteht und die Kärntner Politik dann nachgibt und die Schutzverordnungen für den Nationalpark lockert". Für den Fall, dass die AHP auch die EU-Schutzbestimmungen ignoriere, kündigt ÖGNU-Präsident Gerhard Heilingbrunner eine Klage beim Europäischen Gerichtshof an, die mit empfindlichen Strafzahlungen für Österreich enden könnte.

Schon seit Jahren wird von Kärntner Seite mit der AHP heftig über eine Dauerlösung des Gletscherschliff-Problems diskutiert. Denn die Spülungen des Margaritzenspeichers beeinträchtigen nicht nur den Kraftwerksbetrieb, sondern haben immer wieder Ökokatastrophen in den Flüssen Möll und Drau ausgelöst.

Für die AHP wäre der Mauerbau am Sandersee sicherlich die kostengünstigste Variante. Zudem will man nach dem Ökodesaster von 1995 keine weitere Spülung mehr vornehmen. Der Kärntner Vorschlag, den Schliff über ein Entsandungsrohr im Druckstollen entweder auf das Naßfeld oder gleich nach Kaprun auf die Salzburger Seite zu pumpen, wurde von der AHP bisher immer wieder als zu teuer verworfen.

Am Donnerstag machten sich Vertreter des Umweltausschusses des Kärntner Landtages, der AHP und der Umweltorganisationen im Nationalpark ein Bild von der Lage. Einheitlicher Tenor: "Es muss über Alternativen zur Sandersee-Staumauer diskutiert werden." (stein, DER STANDARD Printausgabe 20.9.2002)

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