Eine Reise nach "Fort"

19. September 2002, 21:03
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Ilse Aichingers unglaubwürdige Reisen (41)

Fort" heißt fort. Kein Weg zurück. Ob ins Kino, zum Skifahren oder zum nächsten Badessee, ob nach Venedig oder ins Salzkammergut - man ist "fortgegangen".

"Ich verabschiede mich", hörte ich unlängst im Stadtpark. Das könnte heißen: "Ich gebe mir den Abschied, einen ohne Wiederkehr."

Ob ich im Mondsee ertrinke - was in Zeitabständen immer wieder ganzen Familien passiert -, ein Schneebrett lostrete oder rund um Verdun liegen bleibe: "Fort" braucht keine Namen, es muss sich nicht schmücken, nicht feierlich aus der Taufe gehoben werden, keine Freu- den- oder Schmerzenstränen auslösen: Es steht für sich.

Aus Agatha Christies Biografie erfährt man, dass sie einmal drei Wochen lang verschwand, wieder an die ihr gemäße Oberfläche kam und nicht gefragt werden wollte, wo sie war. Entscheidend bleibt zuletzt doch: Sie war fort wie eine ihrer Figuren, zum Beispiel Hochwürden (später Kanonikus) Pennyfather oder die amerikanische Freundin Mrs. McAllister aus Boston, in den Zimmern Nr. 1 und Nr. 22, mit oder ohne Bad, in "Bertrams Hotel" im Herzen Londons, in der Nähe des Hyde-Parks.

Auch Agatha Christie hatte eine Wohnung in dieser Gegend, nicht weit von "St. Theresa's Home", wo spanische Nonnen, die seit Jahrzehnten dort leben, immer noch ein sehr gebrochenes Englisch sprechen.

Doch kein Zentrum, keine Metropole, kann sich mit "fort" messen. Man kann nichts daran steigern oder abschwächen: Fort ist fort. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.9. 2002)

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