Neue Herbergen für Wohnungslose

19. September 2002, 20:46
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Betreutes Wohnen statt großer Wohnheime - Die "Wohnungslosenhilfe" wirde derzeit völlig neu organisiert...

Wien - Völlig neu organisiert wird derzeit in Wien die "Wohnungslosenhilfe". Hinter diesem sperrigen Wort verbergen sich Wohnangebote für Familien und Einzelpersonen, die - oft wegen Verlusts des Arbeitsplatzes oder Erkrankungen - nicht mehr das Geld haben, die Miete für die Wohnung zu bezahlen.

Bisher landeten diese Menschen auf Vermittlung der Sozialhilfestelle in großen Wohnheimen. Die "Meldemannstraße" etwa ist eine dieser legendären Sozialeinrichtungen. Nicht zuletzt, weil dort Adolf Hitler drei Jahre seines Lebens verbrachte. Seit Jahrzehnten fixer Bestandteil des Bezirkslebens ist auch das Heim Gänsbachergasse 3 (Bezirk Landstraße). Genau heute, Freitag, wird die letzte dort untergebrachte Familie die Räume verlassen und in eine kleine Wohnung ziehen.

Mit dieser Nachricht gab Sozialstadträtin Grete Laska (SP) die Schließung dieser Heime bekannt und berichtet damit vom Resultat einer Reform, die seit zwei Jahren verfolgt wird: Große Wohnheime auflassen, statt dessen kleine Wohneinheiten schaffen.

Vor allem soll dies betroffenen Kindern helfen, sehr tristen Lebensumständen zu entkommen, erläutert MA-12-Abteilungsleiter Sepp Schmidt. Sogar eigene Wohnungen wer-den zur Verfügung gestellt, damit die Menschen leichter in ein "normales Leben zurückfinden".

Rundum betreuen

Jedenfalls werden die Bedürftigen von Sozialarbeitern betreut. Viele müssten erst den Umgang mit Geld und sich selbst zu organisieren lernen; manchmal müsse sogar Eltern erst klar gemacht werden, dass die Kinder zur Schule müssten.

Mit der Reform der "Wohungslosenhilfe" werde das Angebot an Betreuungsplätzen nicht gekürzt, resümiert Bereichsleiter Christian Neumayer, "sondern nur geändert". Damit gibt es weiterhin für Hilfsbedürftige rund 2200 Wohnplätze. Rechnet man die Wohnangebote von privaten Organisationen dazu, können pro Tag bis zu 4000 Menschen Unterschlupf finden. Jährlich kostet diese Wohnhilfe 14,5 Millionen Euro.

Bis 2005 wird das Wohnangebot so umstrukturiert:

- Geschlossen werden nun neben den Häusern Gänsbachergasse 3 (das danebenliegende, bereits modernisierte Wohnheim auf Nr. 7 bleibt) und Meldemannstraße, jenes in Neu-Albern; das Haus Kastanienallee schließt 2005.

-Abgerissen wurde in Floridsdorf das Männerwohnheim Siemensstraße, der Neu-bau ist 2003 bezugsfertig.

- Neu errichtet wird ein Heim in Hernals, im Speziellen für Frauen und Paare. Es steht ab Oktober zur Verfügung. Dazu kommen ab 2003 betreute Familienwohnungen an verschiedenen Standorten.(aw, DE STANDARD Printausgabe 20.9.2002)

Zum Abschied ab 24. 9. erscheint in der Meldemannstraße noch einmal: Tina Leisch und Hubsi Kramar Inszenierung von George Taboris Farce "Mein Kampf".
Karten [TEL](01) 925 32 27; Obdachlose haben freien Eintritt
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