"Fantastische Räume" für das Künstlerhaus

19. September 2002, 18:57
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Die unterirdischen Erweiterungspläne der Architekten Jabornegg/Pálffy

Von Thomas Trenkler

Wien – Der Bürotrakt wurde aufgestockt, der Innenhof überdacht. Und trotzdem platzt das Historische Museum der Stadt Wien aus allen Nähten. Ganz anders die Situation vis-à-vis des Karlsplatzes: Das Künstlerhaus steht vielleicht schon ab kommenden Sommer leer. Weil der Verein zu wenig Subventionen erhält, um ein Ganzjahresprogramm zu erstellen.

Dennoch hegt man ehrgeizige Pläne: Präsident Manfred Nehrer plädiert für eine unterirdische Erweiterung, die gegenüber einem Neubau günstig komme, weil bereits rund um das Kellergeschoß ungenützte Hohlräume existieren. Sie entstanden im Zuge der neuen U2-Wendeanlage.

Die Wiener Architekten András Pálffy und Christian Jabornegg können bereits ausgereifte Entwürfe vorlegen: Vom neugestalteten Foyer (mit Shop, Kassa, Garderobe, Café) aus gelangt man über das zentrale Treppenhaus in die beiden Untergeschoße: Die teilweise bis zu 7,2 Meter hohen Räume liegen ringförmig um das eigentliche Künstlerhaus und sind über Gänge miteinander verbunden.

"Große Chance"

Günter Düriegl, Direktor des Historischen Museums, war vom Konzept begeistert – und schlug vor, in diesen Sälen "das 20. Jahrhundert in all seinen Darstellungsformen zu präsentieren". Auch sein designierter Nachfolger Wolfgang Kos spricht von einer großen Chance, die nicht ungenutzt bleiben dürfe: Er kann sich sowohl Wechselausstellungen wie auch eine permanente Bespielung vorstellen.

Nicht von ungefähr seien, so Kos, die großen Themenausstellungen des Historischen Museums (z.B. Traum und Wirklichkeit und Mozart) im Künstlerhaus gezeigt worden: Weil dieses nach wie vor über die beste Infrastruktur verfüge. Jabornegg/Pálffy würden "fantastische Räume" kreieren, wie man an der Generali Foundation sehen könne. Sollte sich das Projekt nicht realisieren lassen, "wird man einen Neubau für das Museum fordern müssen", sagt Kos, was er aber nicht wolle.

Kulturstadtrat Andreas-Mailath-Pokorny spricht sich für eine rasche Umsetzung (samt Revitalisierung der U-Bahn-Passage und der Verlegung der störenden Straßenbahngeleise) aus. Eine Klärung der finanziellen Machbarkeit stellt er für die "allernächste Zukunft" in Aussicht. Am Freitag findet im Künstlerhaus zum Thema Raum für Kunst eine prominent besetzte Diskussion statt. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2002)

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