Gut geölter Patriotismus

19. September 2002, 19:26
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Der Druck der Industrieländer lässt die Opec zusammenrücken - Von Clemens Rosenkranz

Die Opec hat unter Druck der Industrieländer wieder zu einer gemeinsamen Linie gefunden. Wünsche nach einer Ausweitung der Produktion haben die Ölminister des Förderkartells ganz kalt abgeschmettert. Ihr Argument ist völlig richtig: Es gibt genügend Öl auf den Märkten, die Nachfrage ist wegen der Konjunkturschwäche in der Ersten Welt sehr flau.

Grund für den massiven Preisanstieg in den vergangenen Monaten ist nicht ein höherer Bedarf, sondern die US-Kriegsdrohung gegen den Irak. Umso schärfer die Töne des US-Präsidenten George Bush wurden, umso größer wurde die Angst der Händler vor einer Verknappung, sollten die USA wirklich zuschlagen. Aber auch die Broker haben ein gerüttelt Maß an Mitschuld für die Teuerungswelle bei Rohöl: Sie haben offenbar vergessen, dass es weder im Krieg zwischen Iran und Irak (Ende der 80er-Jahre) noch im ersten Golfkrieg der USA und ihrer Verbündeten 1991 zu einer längeren Unterbrechung des Tankerstroms gekommen ist. Aber offensichtlich hat das patriotische Fieber auch die US-Ölhändler angesteckt.

Die Opec hat sich von der Kriegshysterie nicht anstecken lassen, will aber bei einer kriegsbedingten Preisexplosion die Produktion voll aufdrehen. Auch Saudi-Arabien, das weltgrößte Förderland, hat sich der Mehrheitsmeinung des Kartells angeschlossen. Der US-Druck hat nur eines bewirkt, nämlich eine geschlossene Front. Diese könnte der Regierung in Washington gröbere Probleme bescheren: Schließlich würde ein Krieg gegen den Irak die Spritpreise zumindest kurzfristig nach oben schnellen lassen. Auch jenseits des großen Teichs hört der Patriotismus aber an der Zapfsäule auf. Innerhalb der heterogenen Opec gibt es keinen Patriotismus, ihre einzige Heimat ist und bleibt das Geld aus dem Öl. (DER STANDARD, Printausgabe 20.9.2002)

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