Israel: Kabinett beschließt Isolierung Arafats

20. September 2002, 07:09
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Israelische Panzer umstellen Amtssitz Arafats - Auslieferung von mutmaßlichen Attentätern verlangt

Jerusalem/Gaza - Das israelische Kabinett hat am späten Donnerstagabend in einer Dringlichkeitssitzung einmütig die erneute Isolierung von Palästinenserpräsident Yasser Arafat in dessen Amtssitz in Ramallah beschlossen. Ferner wurde in einer Resolution die Auslieferung von 19 Palästinensern gefordert, die wegen mutmaßlicher Terroraktivitäten auf der israelischen Fahndungsliste stehen und in Arafats Hauptquartier vor einigen Monaten Zuflucht gefunden haben sollen. Das berichtete der israelische Rundfunk. Das Kabinett war unter Leitung von Ministerpräsident Ariel Sharon zusammengekommen, um über Maßnahmen nach einem palästinensischen Selbstmordanschlag in Tel Aviv zu beraten, bei dem der Attentäter fünf Menschen mit in den Tod gerissen hatte.

Zuvor hatten bereits israelische Panzer und gepanzerte Mannschaftswagen am Abend den Amtssitz von Palästinenserpräsident Arafat in Ramallah umstellt. Dabei lieferten sich israelische Soldaten Schusswechsel mit der palästinensischen Präsidentengarde. Zwei Palästinenser wurden nach palästinensischen Angaben verletzt.

Ausganssperre verhängt

Acht der im Amtssitz von Arafat umstellten Palästinenser ergaben sich Augenzeugen zufolge der israelischen Armee. Wie die Zeugen am Donnerstag aus Ramallah berichteten, wurden den in Zivil gekleideten Männern die Augen verbunden und die Hände auf dem Rücken gefesselt, bevor sie von Soldaten abgeführt wurden.

Die Israelis forderten alle Menschen in den Gebäuden, die zusammen das Arafat-Hauptquartier "Mukata" bilden, auf, nicht die Häuser zu verlassen. Über Ramallah wie auch alle anderen palästinensischen Autonomiestädte außer Hebron wurde nach mehreren palästinensischen Anschlägen eine Ausgangssperre verhängt.

Arafat vollständig isolieren

Am Abend rückte die israelische Armee laut Augenzeugen mit Dutzenden von Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Bulldozern auch in den Gazastreifen offenbar mit der Absicht ein, bestimmte Gebiete im nördlichen Gazastreifen und Gaza-Stadt zu stürmen. Panzer und Bulldozer stünden in einem Gebiet zwischen den nördlichen Dörfern Beit Hanoon und Beit Lahya. Palästinensische Sicherheitsbeamte vermuteten eine umfangreiche Militäroperation in dem Gebiet.

Bei dem Selbstmordanschlag vom Donnerstag in Tel Aviv wurden außerdem etwa 60 Menschen verletzt. Der Palästinenser hatte sich in einem Linienbus nahe der belebten Kreuzung Allenby-Straße und Rothschild Boulevard in die Luft gesprengt. Zu der Tat bekannte sich die radikal-islamische Hamas-Organisation. Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die Tat.

Erst am Mittwoch hatte sich bei Umm el Fachem in Nordisrael ein Palästinenser vor einer Polizeistreife in die Luft gesprengt und dabei einen Beamten mit sich in den Tod gerissen.

Wie während der Kabinettssitzung in Jerusalem verlautete, sei von einigen Ministern zunächst vorgeschlagen worden, Arafat zu deportieren. Mit Blick auf mögliche schwere politische Verwicklungen für Israel habe es aber starke Einwände gegen eine etwaige Ausweisung Arafats gegeben. Andere hätten während der Diskussion vorgeschlagen, Arafat völlig von der Außenwelt zu isolieren und ihn in seinem eigenen Hauptquartier zum Gefangenen zu machen.(APA/dpa/Reuters)

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