Hoch hinaus, tief hinunter

24. September 2002, 18:36
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Während die New Yorker Stadtverwaltung bereits vor Monaten ausschloss auf dem seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 leer stehenden „Ground Zero“ wieder einen Wolkenkratzer zu errichten, wird in Shanghai am Bau des World Financial Centers festgehalten. Mit 460 Metern Höhe soll dort das dritthöchste Gebäude der Welt entstehen. An den Analysten Andrew Lawrence scheint sich dabei niemand zu erinnern. 1999 veröffentlichte der Ökonom erstmals seinen „Skyscraper-Index“ und machte damit auf unheimliche Zusammenhänge zwischen dem Bau von Wolkenkratzern und dem Einsetzen wirtschaftlicher Abschwungphasen aufmerksam.

Fast immer richtig

Im vergangenen Jahrhundert lag der Trendindikator fast immer richtig. Als Anfang der dreißiger Jahre in den USA die Depression einsetzte, wurden kurz zuvor das Chrysler Building und das Empire State Building fertig gestellt. Die Errichtung des Sears Tower in Chicago fiel in den siebziger Jahren mit einer großen Inflation zusammen. Auch das World Trade Center wurde zu dieser Zeit gebaut. Als 1997 in Kuala Lumpur der Petronas Tower in den Himmel schoss, kollabierten die asiatischen Währungen. Lediglich das 1913 in New York eröffnete Woolworth Building zog keine ökonomischen Turbulenzen nach sich.

Ökonomische Grundlagen

Wenngleich Lawrence nie ausschließen wollte, dass die Korrelation zwischen Wolkenkratzer und Krise auch rein zufällig sein könnte, war er stets davon überzeugt, dass sein "Skyscraper Index" auf realen ökonomischen Grundlagen fußt: "Die Verwirklichung dieser architektonischen Träume", analysierte der Ökonom, "geht gewöhnlich mit rasanten Kapitalflüssen und der Erhöhung des Konsumentenvertrauens einher. Die darauf folgende exzessive Ausweitung der Geldmenge, Überinvestitionen und Spekulation bilden eine robustes Fundament für den nahenden wirtschaftlichen Kollaps." (dax)

Nachlese

--> Glückliche Arbeitslose

In der Kolumne "Ökonomie obskur" begeben wir uns ab sofort einmal wöchentlich, jeden Freitag, auf einen Streifzug durch die Randbereiche des wirtschaftlichen Treibens.

Anregungen und Kritik bitte an online.investor@ derstandard.at.

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