"Neuer Mond" ist ziemlich sicher Raketenschrott

19. September 2002, 18:57
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Er könnte dennoch Erkenntnisse liefern

Calgary/Pasadena/Hamburg - Das bis vor kurzem unbekannte Flugobjekt mit dem Namen J002E3 hält die Astronomen-Gemeinde weiterhin in Atem. Am 3. September von einem Hobbyastronomen auf einer Erdumlaufbahn entdeckt, wurde es zunächst für einen kleinen Mond gehalten. Die Nasa teilte nun mit, dass es sich mit "sehr großer Sicherheit" um Raketenschrott handele.

Die Farbe des Objektes entspreche der einer Antriebsrakete, die am 14. November 1969 eine Apollo-Raumfähre ins All beförderte. Nasa-Experten halten nun einen Kollisionskurs mit der Erde für möglich - mit dreiprozentiger Wahrschein-lichkeit in den nächsten zehn Jahren. Beim Durchflug durch die Atmosphäre würde J002E3 aber verglühen. Die Nasa ermittelte zudem, dass der vermeintliche Mond im nächsten Jahr mit zwanzigprozentiger Chance auf dem "richtigen" Mond aufschlagen werde.

Der Zusammenstoß wäre für die Forscher eine unverhoffte Quelle wissenschaftlicher Erkenntnisse. So erhielten sie Informationen über das Magnetfeld und die Beschaffenheit der Oberfläche des Mondes. Die Nasa-Forscher wollen dazu ein Messgerät für Bodenerschütterungen nutzen, das bei der zweiten Mondlandung hinterlassen wurde. Es würde die beim Aufschlag ausgelösten Bodenschwingungen in ein dreidimensionales Bild des Untergrundes übersetzen. Das Problem: Aus Kostengründen wurde das mit Kernenergie betriebene Gerät 1977 abgeschaltet. Die Wissenschaftler hoffen nun, es reaktivieren zu können.

Der Zusammenstoß mit dem Mond könnte ein TV-Ereignis werden - wenn er auf der erdzugewandten Seite des Mondes erfolgte. Leistungsstarke Infrarotteleskope sollten in der Lage sein, den Aufprall zu verfolgen, meint Nasa-Forscher Paul Chodas. Das Schicksal des neuen Erdtrabanten wurde umfassend untersucht. Er passierte exakt jenen Punkt im All, an dem sich die Anziehungskräfte von Erde und Sonne aufheben, und wurde dort in seinen neuen Orbit um die Erde gezwungen. (Axel Bojanowski, DER STANDARD/ Print-Ausgabe, 20.9.2002)

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