Gemeinsamkeit dauert

19. September 2002, 20:11
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Seit Beginn dieser Woche wird in den US-Medien die Idee einer "schnellen Eingreiftruppe" der Nato lanciert - Ein Kommentar von Katharina Krawagna-Pfeifer

Seit Beginn dieser Woche wird in den US-Medien die Idee von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zur Errichtung einer schnellen Eingreiftruppe der Nato gegen den Terrorismus gezielt lanciert. Sie soll relativ klein gehalten werden, dafür aber in Permanenz verfügbar sein. Man spricht von Brigadestärke - also zwischen 2000 und 3500 Mann. In der EU-Hauptstadt Brüssel, wo sich auch das Hauptquartier der nordatlantischen Allianz befindet, wird diese Idee mit Interesse beobachtet. Einige interpretieren sie als eine Art "Zähmungsstrategie" der USA gegenüber den Europäern wegen der Differenzen in der Irak-Frage. Wobei das klare Nein der Europäer zu einer militärischen Aktion der USA gegen Saddam Hussein ohne UNO-Mandat sicherlich auch damit zu tun hat, dass in Deutschland, dem mächtigsten EU-Land und wichtigen Nato-Mitglied, der Wahlkampf seinen Höhepunkt erreicht hat.

Die Idee Rumsfelds kann jedoch auch als Angebot der USA an die Europäer interpretiert werden, und zwar in die Richtung, dass man sich wieder in geordneten Bahnen Verbündete sucht. Die von Washington praktizierte "coalition of the willing" stört die Europäer nämlich mindestens ebenso wie der Unilateralismus, den die Vereinigten Staaten seit dem 11. September 2001 pflegen. Wenn Washington sich nun wieder auf die Strukturen der Nato konzentriert, tut man sich in Brüssel leichter als mit einer gezielten Strategie des Teilens.

Sorgen bereitet in Brüssel auch der Mazedonien-Einsatz. Die Nato wird das Projekt "Amber Fox" verlängern müssen. Die Europäer sind weiter nicht in der Lage, diese Aufgaben selbstständig zu übernehmen, wenn das Mandat für den Nato-Einsatz am 26. Oktober ausläuft. Griechenland blockiert das dafür notwendige EU-Nato-Abkommen. Womit sich wieder einmal zeigt, dass der Weg zu einer gemeinsamen europäischen Sicherheitsarchitektur noch ein weiter ist.

(DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2002)

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