Stoiber bleibt sichere Hausmacht in Bayern

19. September 2002, 18:41
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Ungewisse Nachfolge in der CSU im Fall eines Sieges

Was würde aus Bayern ohne Edmund Stoiber, und was würde aus Edmund Stoiber, zurück in Bayern? - Noch ist die Bundestagswahl nicht entschieden, doch über die "N-Frage" und die "V-Frage" zerbricht man sich in München schon heftig den Kopf. Drei Nachfolger für den Ministerpräsidenten sind im Gespräch. Ein Verlierer Stoiber müsste bei seiner Rückkehr aber nicht um seine Macht fürchten.

Günther Beckstein, Erwin Huber und Alois Glück heißen die CSU-Männer, die einen Bundeskanzler Stoiber in der Staatskanzlei beerben könnten. Noch hat sich keiner aus der Deckung getraut.

Ginge es nach Popularität, hätte wohl Bayerns Innenminister Beckstein die besten Karten. Der stramme Sicherheitspolitiker genießt bei den CSU-Anhängern großen Respekt. Allerdings gehört er zum "Kompetenzteam" Stoibers: Der dürfte von Beckstein erwarten, als Bundesinnenminister nach Berlin zu kommen. Ministerposten dort hängen allerdings noch von einem Koalitionspartner ab.

Becksteins Position in München leidet stattdessen darunter, dass er Franke und Protestant ist, und damit nicht dem beherrschenden katholisch-altbayerischen Block innerhalb der CSU angehört.

Hier hätte Erwin Huber, der Chef der bayerischen Staatskanzlei, bessere Karten. Der ehemalige CSU-Generalsekretär übte sich in der Wahlkampfzeit bei vielen offiziellen Terminen schon staatsmännisch als Stoiber-Vertreter. Er gilt als loyaler Kämpe, der seinem Ministerpräsidenten und Parteichef immer den Rücken freigehalten hat - und dafür Stoibers Dank verdient.

Schlecht für Huber ist nur, dass er von den Bayern weniger geliebt wird und als Medienbeauftragter in der Staatskanzlei eng mit der Verteilung von Steuergeldern an den Pleitekonzern Kirch betraut war.

Glück, ein Landesvater

Alois Glück, der Vorsitzende der CSU-Fraktion im Landtag, gilt da als erheblich integrer. Zumal er auch weniger ein Mann der scharfen Töne ist und daher eher in die Rolle des Landesvaters passt. Mit der Fraktion hat der Oberbayer eine starke Hausmacht. Auch im Gespräch mit dem STANDARD weist er darauf hin, dass die Fraktion eng in die Wahl eines Stoiber-Nachfolgers eingebunden werden müsse, da sie ja den Ministerpräsidenten wählt. Ob er das sein werde? - "Ich werde auf jeden Fall in der Landespolitik bleiben", sagt Glück.

Was aber, wenn Stoiber als Verlierer zurückkehrt? Glück ist sicher: "Für diesen unwahrscheinlicheren Fall sehe ich nicht, dass es ihm in Bayern schaden würde. Er wird uneingeschränkt seine Autorität haben. In der Partei und in der Bevölkerung." Vieles spricht dafür, dass Glück Recht behält. Auch die Position Franz-Josef Strauß' litten später nicht unter dessen Niederlage im Bund von 1980. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2002)

Von Jörg Wojahn aus München
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