Kulturservice-Verein bangt ums Überleben

19. September 2002, 19:23
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Einsparpläne des Bildungsministeriums

Wien - Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) kündigte kürzlich an, bei Kulturvermittlungsorganisationen Einsparungen vornehmen zu wollen. Von dieser Maßnahme stark betroffen sein dürfte der Österreichische Kulturservice (ÖKS): Die Subvention für den von Michael Wimmer geleiteten Verein soll 2003 nochmals massiv gekürzt werden.

Der ÖKS hatte 1999 rund 1,93 Millionen Euro erhalten, im darauf folgenden Jahr 1,76 Millionen; 2001 und heuer betrug die Zuwendung 1,5 Millionen. Was zur Folge hatte, dass ein Drittel der Mitarbeiter gekündigt werden musste. 2003 soll der Verein, der sich in erster Linie um kulturelle Veranstaltungen in Schulen kümmert, nur mehr mit 900.000 Euro bedacht werden.

Sektionsleiter Heinz Gruber bestätigt auf Anfrage die Einsparpläne. Er begründet diese dahingehend, dass in den vergangenen Jahren ähnlich gelagerte Organisationen aufgebaut wurden. Er sei zwar Vorstandsvorsitzender des ÖKS-Vereins, fühle sich aber auch dem Steuerzahler verpflichtet. Es müsse daher "so viel Geld wie möglich an die Schulen und die Künstler fließen" - und so wenig wie möglich in die Verwaltung.

Es sei z. B. nicht einzusehen, dass der KulturKontakt und der ÖKS über parallele Strukturen verfügen, obwohl sie im gleichen Haus untergebracht sind. Wimmer kontert, dass er bereits eine Fusion vorgeschlagen habe: Ihm schwebt eine Holding vor, die das Rechnungswesen und das Marketing übernimmt. Dies räumt Gruber zwar ein, fügt aber hinzu, dass Wimmer nur die Subventionen addiert hätte - ohne für den Bund markante Kostenreduktionen zu erzielen. Die Synergieeffekte lägen aber bei 30 Prozent.

Es sei, meint Gruber, keineswegs daran gedacht, den ÖKS aufzulösen: Er solle weiterhin jene Aufgaben (z. B. EU-Projekte) wahrnehmen, die nicht von anderer Seite übernommen werden können. Da aber die Schulen aufgrund ihrer Autonomie selbst Veranstaltungen durchführen, brauche nicht der ÖKS zwischengeschaltet werden.

Wimmer wiederum verweist auf die erfolgreich geleistete Arbeit: "Die Produktivität war noch nie so hoch." Das bisher vereinbarte Auftragsvolumen für 2003 betrage schon 1,7 Millionen Euro. Eine Kürzung im angekündigten Ausmaß würde den Todesstoß für den ÖKS ist seiner derzeitigen Form bedeuten. Wimmer glaubt, dass man es auf seinen Kopf abgesehen habe.

Gehrers Pläne sind aber nicht auf den Kulturservice beschränkt: Sie will überprüfen lassen, ob man nicht alle diese "wunderbaren Sachen" - zu denen u. a. das Interkulturelle Zentrum, die Schulentwicklungszentren und das Büro für Kulturvermittlung zu zählen sind - "zu schlanken Strukturen zusammenführen könne". In Sorge sind auch die Mitarbeiter der Förderungsstellen für Erwachsenenbildung: Gehrer will diese Einrichtungen (samt den Büchereistellen) den Bundesländern übertragen. Allerdings konnte bisher keine Einigung erzielt werden. Der Arbeitskreis kritischer Bibliothekare im Renner-Institut befürchtet nun deren "stille Liquidierung". (DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2002)

Von Thomas Trenkler
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