Neuregelung: Banker skeptisch

19. September 2002, 17:14
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Tenor: "Grundsätzlich begrüßenswert", aber Aktienanteil, Marktrisiken, Zwangsüberführungen zu hinterfragen"

Wien - Auch einen Tag nach der erstmaligen Vorstellung des neuen Pensionsvorsorgemodells und rund um die anstehende parlamentarische Beschlussfassung tappen die künftigen "Verkäufer" des neuen Produkts noch im Dunkeln. "Grundsätzlich begrüßenswert", lautete der Tenor aus den großen Banken und Versicherungen. "Der Bedarf ist da nach steuerlich begünstigten Altersvorsorgemodellen", und "die im Vergleich zum ebenfalls staatlich geförderten Bausparen höheren Erträge klingen bestechend", hieß es aus den Häusern. Zur tatsächlichen Beurteilung warte man aber noch auf detaillierte Unterlagen. Denn im Unterschied zu früheren Vorhaben - z.B. PIFs - sei die Finanzbranche in die Vorbereitungen nicht eingebunden worden. "Wir wollen das Projekt nicht gleich tot reden, es sind aber zu viele Fragen offen."

Österreichische Aktien

Das neue Instrument werde, so hofft die scheidende Regierung, nicht nur breiten Bevölkerungsschichten eine zusätzliche Pensionsvorsorge ermöglichen, sondern auch "die Aktienkultur in Österreich generell verbessern und durch endogene Nachfrage den unterentwickelten österreichischen Kapitalmarkt beleben". Die Anbieter, die das neue Produkt unter die Leute bringen sollen, werden verpflichtet, in der Ansparphase zumindest 60 Prozent des Kapitals in Aktien aus dem EWR-Raum investieren, deren Marktkapitalisierung weniger als 30 Prozent des BIP umfasst. Mit einem Wort: In österreichische Aktien.

Neben Experten von Abfertigungskassen, die bereits Zweifel anmeldeten, dass mit de facto vorgeschriebenen 60 Prozent Austro-Aktien die Kapitalgarantie aufrecht erhalten werden kann, hinterfragten am Donnerstag auch Sprecher von Wiener Großbanken, wie bei dieser Quote und Fristigkeit mit Marktrisiken umgegangen werden könne. Ungeklärt sei auch die Frage von Weitergaben im Erbweg und vor allem einer allfälligen "Zwangsüberführung" der bisherigen Alternativmodelle (PIFs).

Fondmanager verärgert

Dass die bisherigen Pensionsinvestmentfonds (PIFs) von den Architekten der neuen Altersvorsorgemodelle jetzt de facto totgeredet werden, ärgert die Fonds: Wolfgang Dorten, Generalsekretär der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) bezeichnete heute die kolportierte Absicht, bei PIFs alter Prägung die vereinbarten steuerlichen Förderungen abzuschaffen, als "untragbar".

Die Anleger hätten sich im Vertrauen auf das Gesetz zu einem unwiderruflichen Auszahlplan verpflichtet und nun widerrufe der Gesetzgeber seine Verpflichtung zur steuerlichen Förderung." Das ist Vertrauensbruch", schäumt Dorten.

Zwar seien die alten 27 PIFs auf Grund der mangelnden Verfügbarkeit "kein Renner", die etlichen tausend PIF-Anleger würden sich jedoch sicherlich "geprellt" fühlen. Zudem sollte dem Anleger neben dem "PIF Austria", wie Dorten das neue Modell nennt, auch ein breiter gestreutes Vorsorgeprodukt zur Verfügung stehen, plädiert die VÖIG für eine Beibehaltung der PIF "alt" Förderung.

Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) hatten am Mittwoch das in einem Eilantrag ans Parlament formulierte neue staatlich gestützte neue Modell einer privaten Zusatzrente vorgestellt. Das allgemeine "Zukunftsvorsorge-Modell" ist ähnlich konstruiert wie das Bausparen. Der Staat ersetzt 10 Prozent der eingezahlten Summe, maximal 180 Euro. Ein Ausstieg ist nach frühestens 10 Jahren möglich. Im Fall einer Verrentung fällt keine KESt an, die ausgezahlten Pensionen sind steuerfrei. (APA)

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