Allianz-Betriebsräte fürchten KV-Aushöhlung

19. September 2002, 15:58
posten

Neuaufnahmen in gemeinsamer Großkundengesellschaft sollen in Handels-Kollektivvertrag aufgenommen werden

Wien/Linz - Eine Aushöhlung des Kollektivvertrages für Energieversorgungsunternehmen (EVU) durch die österreichische Stromlösung befürchten offenbar die Betriebsräte der Unternehmen der EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, EAG, Linz AG sowie Bewag und Begas). Der Betriebsrat der Energie AG Oberösterreich (EAG) hat in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch, in der die Austro-Stromlösung genehmigt wurde, dagegen gestimmt. In anderen Unternehmen könnte ähnliches passieren. Grundsätzlich seien die Betriebsräte gegenüber der Austro-Stromlösung positiv eingestellt, wird betont.

Als Grund für die Ablehnung nennt EAG-Betriebsratsvorsitzender Gottfried Laherstorfer die Weigerung der Arbeitgeber, künftige Neuaufnahmen in der gemeinsamen Großkundengesellschaft von Verbund und EnergieAllianz, die Teil der Austro-Stromlösung ist, zum EVU-KV einzustellen. Vorgesehen sei für Neuaufnahmen der Handels-KV. Die Betriebsräte von EVN, EAG, Linz AG und Bewag befürchteten einen Domino-Effekt, so Laherstorfer am Donnerstag zur APA. Die gemeinsame Großkundengesellschaft werde rund 80 Mitarbeiter haben. Sorgen mache sich die Belegschaftsvertretung vor allem um die eher schlechter bezahlten Jobs in der Administration und im Back-office.

"Keine Bemühungen"

Es werde auch noch versucht, in Gesprächen mit den Eigentümervertretern der in öffentlichem Mehrheitseigentum stehenden EVU eine Lösung zu finden. Bisher sei ein Brief an die Politik aber unbeantwortet geblieben, so ein Betriebsrat zur APA. Die Beschäftigten in der E-Wirtschaft hätten in den vergangenen Jahren einiges auf sich genommen, irgendwann müsse Schluss sein. In den Partner-Unternehmen der künftigen Stromlösung seien rund 15.000 der insgesamt rund 20.000 Mitarbeiter in der österreichischen E-Wirtschaft beschäftigt.

Im Verbund-Aufsichtsrat war die Genehmigung der Austro-Stromlösung in der Vorwoche einstimmig erfolgt. Die EAG war das erste Allianz-Unternehmen, das den Deal in dem Kontrollgremium behandelt hat. Am Freitag tagt der Aufsichtrat der burgenländischen Bewag, auch hier könnte man den "oberösterreichischen Weg" gehen. Die EVN ist Anfang der kommenden Woche an der Reihe. Etwas anders ist die Situation bei der Wienstrom, bei der gut drei Viertel der Mitarbeiter Beamte sind. Von Seiten der Arbeitgeber wird in Bezug auf die Kollektivverträge auf ausländische Mitbewerber verwiesen, die nicht dem - besseren - EVU-KV unterliegen. Es müsse Chancengleichheit herrschen. (APA)

Share if you care.