+++PRO & CONTRA--- "Ich rufe gleich zurück!"

20. September 2002, 13:47
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Verschollen in der Anstalt fühle ich mich. Nicht immer, aber immer häufiger: "Wir rufen zurück." Funkstille

+ + + PRO

von Gerhard Plott

Wie? Sie wollen wissen, wie man glücklich, schön und reich wird? Und gesund bleiben wollen Sie dabei auch noch? Sofortige Antwort erwünscht, jetzt gleich?

Na gut, warum denn nicht. Warum sollen wir lichtvolle Weisheiten für uns behalten, wir sind ja nicht so und teilen gerne, auch der Leser hat schließlich ein Recht auf umfassende Information in existentiell entscheidenden Angelegenheiten. Also, die Sache ist ganz leicht: Sie nehmen ihr . . ., Momenterl, mein Telefon läutet, tschuldign. Oh, fein, dass du dich meldest, grad wollt ich anrufen. Ja, natürlich, aber nicht jetzt, ich ruf gleich zurück, d'ere.

Wo waren wir? Ach ja, bei Glück, Schönheit und so. Wie gesagt, das ist einfach. Sie nehmen ihr . . ., peinlich, jetzt scheppert das Handy, tschuldign scho. Ah, danke für Ihren Anruf, natürlich hab' ich nicht auf Sie vergessen, bin aber grad in einer Besprechung und ruf' Sie sofort zurück, ja natürlich, bis später.

Jetzt aber. So ein Telefon ist ein Viech, nicht wahr? Zurück zum Reichtum, hähä, Sie haben ja schon knallrote Ohren, samma ein bissi neugierig, gell? Na gut, passen Sie auf: Um schön, reich und glücklich zu werden, müssen Sie nur . . ., jadarfdenndaswahrmerde. Wer nervt da? Ui, nein, wieso unhöflich, Sie waren doch nicht gemeint, Sie doch nicht, niemals. Natürlich werde ich das gleich, ja, Sie haben Recht, nein, ich würde Sie nie vertrösten, wirklich nicht. Komme natürlich sofort.

(Ein schuppiges "Ich rufe gleich zurück" trennte Sie soeben vom direkten Weg zu Glück, Schönheit und Reichtum. Falls Sie weiter Interesse daran haben, rufen Sie nicht an, wir rufen zurück.)

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- - - CONTRA

von Harald Fidler

Verschollen in der Anstalt fühle ich mich. Nicht immer, aber immer häufiger: "Wir rufen zurück." Funkstille.

Bloß keine Missverständnisse: Der Künigl beherbergt unzählige verlässliche Zurückrufer. Neuerdings freilich ebenso verlässliche Ausnahmeerscheinungen.

Selbst die aber dürfen noch lange nicht rückrufen, um den Spitzenvertreter der Spezies einzuholen. Namen verschweigen wir diskret.

Denken wir uns also einen Intendanten aus, der - zum Beispiel: - im Oktober 2001 als neuer Chef - sagen wir: - eines der allermarktbeherrschendsten Magazinkonzerne - nun, vielleicht: - Österreichs kundgetan wird. Selbentags sichert er ein Interview zu, aus dem ("Wir rufen zurück") leider an den folgenden ("So dichter Terminkalender") nichts wird: "Schicken Sie doch die Fragen!" Kaum hat er sie gelesen, will er doch lieber "näher" zum Amtsantritt antworten. Dann (stark gerafft) ein Dreivierteljahr später "rufen wir zurück", weil dem Antritt Urlaub folgt. Elf Monate (huch!): "Ich verbinde". Wo Sie so fies über uns berichten, gebe ich doch Ihnen kein Interview, könnte er nun sagen. Und ich entgegnen: Lesen Sie Ihre eigenen Blätter? Vielleicht meint er dann: Reden wir bei einem Kaffee darüber. Wir rufen Sie an wegen des Termins.

Bleiben Sie dran! Gewiss kann ich in kaum einem Jahr Neues berichten. Interviews müssen Sie halt bei netteren Kollegen lesen. (derStandard/rondo/20/9/02)
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