Gewerkschaft der Privatangestellten stellt sich quer

19. September 2002, 14:13
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Neues Modell bedeute längerfristige Entwertung des Anlagekapitals bei derzeitiger demographischer Entwicklung

Wien - Scharfe Kritik kommt von der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) am neuen Modell zur privaten Altersvorsorge. Dieses sei zur langfristigen Pensionssicherung "völlig ungeeignet und in Wahrheit ein hilfloser Versuch zur Wiederbelebung der kränkelnden Wiener Börse", sagte GPA-Vorsitzender Hans Sallmutter am Donnerstag. Eine Pensionssicherung über Aktieninvestments sei grundsätzlich abzulehnen.

Ein kapitalgedecktes Pensionssystem sei durch den demographischen Wandel noch stärker gefährdet als das öffentliche Pensionssystem, argumentierte Sallmutter. Bei einer Kapitaldeckung seien die künftigen "Aktionärspensionisten" darauf angewiesen, ihre Kapitalanlagen bei Pensionsantritt an die nachfolgende Generation zu veräußern. Sollten auf Grund der demographischen Entwicklung nicht genug kaufkräftige Nachfrager vorhanden sein, sei eine massive Entwertung des Anlagekapitals vorprogrammiert, so die GPA. Weitere Nachteile seien die enormen Administrationskosten, das Inflationsrisiko sowie die Unmöglichkeit konkreter Leistungszusagen.

Wider Regeln der Risikostreuung

Das von den Ministern Karl-Heinz Grasser (FP) und Martin Bartenstein (VP) vorgestellte Modell sei darüber hinaus auch innerhalb der Logik der Befürworter der privaten Pensionsvorsorge "absurd": Eine Konzentration der Investments auf den engen Markt der Wiener Börse widerspreche allen Regeln der Risikostreuung. Die versprochene Kapitalgarantie lasse sich nur durch massive steuerliche Subventionierung finanzieren.

Zudem ergebe sich mit dem neuen Vorschlag eine seltsame Diskrepanz zum Modell der Mitarbeitervorsorgekassen (MVK), so Sallmutter. Bei den MVK, die maximal 40 Prozent des Kapitals in Aktien veranlagen dürfen, werde eine Verzinsung von 6 Prozent unterstellt. Beim neuen Privatpensionsmodell mit einem verpflichtenden Aktienanteil von 60 Prozent gebe man sich mit 4,5 Prozent wesentlich vorsichtiger, obwohl die Veranlagungsform risikoreicher sei. Die Regierung gestehe damit ein, dass eine Verzinsung im Ausmaß von 6 Prozent in Wahrheit unrealistisch sei, kritisiert der GPA-Chef und fordert eine Adaptierung des MVK-Modells in diesem Punkt. (APA)

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