Kurioser Rechtsstreit um Internet-Adresse "bundesheer.info"

19. September 2002, 19:44
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Republik Österreich hat gegen Unternehmer Klage eingebracht - "Als Steuerzahler und Staatsbürger kapiere ich das nicht"

Nur drei Tage, nachdem sich ein steirischer Unternehmer im vergangenen Juli im Internet die Domäne "bundesheer.info" gesichert hatte, flatterte ihm bereits eine Klage der Republik Österreich ins Haus. Die Finanzprokuratur verlangt darin, er möge die Verwendung besagter Internet-Adresse unterlassen und in die Übertragung des Domäne-Namens auf die Heeresverwaltung einwilligen. Streitwert: 15.000 Euro. Heimo Kapeller (31) versteht die Welt nicht mehr. "Vielleicht werde ich ja geklagt, weil ich als Zivildiener nicht beim Bundesheer war", meinte er am Donnerstag im Gespräch mit der APA.

Zugelost

Der im IT-Consulting tätige Leibnitzer Geschäftsmann hatte sich im Internet an der Versteigerung von über 17.000 Domänen beteiligt. Neben etlichen Adressen wie "austriatourismus.info" oder "thermenland.info", die sein auf Tourismus spezialisiertes Unternehmen zur Entwicklung von Internet-Portalen sicher gut gebrauchen kann, bekam er auch "bundesheer.info" zugelost: "Das war die Einzige, die ich eigentlich gar nicht haben wollte." Immerhin 48 US-Dollar (49,4 Euro) hatte er dafür zu berappen.

"Als Steuerzahler und Staatsbürger kapiere ich das nicht."

Folglich entfaltete Kapeller auf besagter Seite bisher auch keinerlei Tätigkeit. Ihn ärgert vor allem, dass ihn die Republik sofort mit einer Klage eindeckte, "ohne mit mir in Kontakt zu treten. Als Steuerzahler und Staatsbürger kapiere ich das nicht." Hätte man das Gespräch gesucht, "hätten sie es gegen Ersatz meiner Kosten haben können", versichert der Jungunternehmer.

Sieg

Möglich, dass die Finanzprokuratur auf Grund von Erfahrungen aus der jüngeren Vergangenheit sofort eine "virtuelle Front" eröffnete. Eineinhalb Jahre dauerte es, ehe im November 2001 der Kampf um die Domäne "bundesheer.at" zu Gunsten der Republik entschieden war. Der Rechtsstreit um "bundesheer.com" war jedoch nicht zu gewinnen.

Zuversicht

Rechtsanwalt Oliver Koch, der den nunmehr geklagten Steirer vertritt, ist zuversichtlich, dass die Republik auch diesmal den Kürzeren ziehen wird. Kapeller sei nämlich gar nicht mehr Inhaber der Domäne. Er habe "bundesheer.info" freiwillig aufgegeben, worauf sich eine US-Gesellschaft die Rechte sicherte, erklärte der Wiener Anwalt gegenüber der APA. "Auch dabei ist es nicht geblieben. Inzwischen hat sich eine Person namens Klaus Eurofighter der Domäne bemächtigt", so Koch. Er rechnet daher damit, dass die Republik ihre Unterlassungsklage zurück ziehen wird.(APA)

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