Krone Hitradio verliert alle Chefs

19. September 2002, 20:45
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Nach Bernhard Weiss verlässt auch Bernd Sebor den Senderverbund - Uneins mit Gesellschaftern

Noch am 2. September stellte Bernd Sebor seinen Gesellschaftern ein neues Programmkonzept vor. Die Zustimmung hielt sich offensichtlich in Grenzen: Der Geschäftsführer des im Frühsommer 2001 gestarteten Krone Hitradio verabschiedet sich nun nicht nur von seinen Ideen, sondern gleich vom Senderverbund.

Kollege Bernhard Weiss, Mediaprint-Radiomanager und ebenfalls Hitradio-Geschäftsführer, kam ihm knapp zuvor: Wie berichtet tat der 30-Jährige schon in der Vorwoche seinen Abgang kund. Er wechselt zu einem kanadischen Rundfunkkonzern. Beide sagen offiziell mit Jahresende Adieu, Sebor geht schon dieser Tage.

"Ich stehe für ein Konzept, wie Krone Hitradio in Zukunft funktionieren soll", sagt Sebor dem STANDARD: "Wenn die Gesellschafter andere Vorstellungen haben, ist für mich klar, dass wir nicht mehr denselben Weg gehen können, und wir trennen uns." Seine Vorschläge umschreibt Sebor mit "Kontinuität". Dass die Gesellschafter drastischere Einsparungen forderten, wollte der 36-Jährige nicht kommentieren.

Um überregionales Privatradio ausstrahlen zu können, sammelten die in der Mediaprint verbundenen Blätter Krone und Kurier gut ein Dutzend regionaler und lokaler Sender zwischen Burgenland und Tirol zusammen. Das neue Privatradiogesetz lässt solche Senderverbünde zu, schreibt ihnen aber 40 Prozent jeweils lokales Programmangebot vor. So kann das Hitradio sich nicht darauf beschränken, alleine die Sender der Partnerstationen zu nützen. Jede muss auch ein eigenes, wenn auch kleines Team beschäftigen. Das treibt die Kosten in die Höhe - und das in Zeiten einer Werbekrise, die tolle Umsatzprognosen rasch zur Makulatur macht.

"Alles Gute" wünscht Sebor seinem Nachfolger Martin Zimper, früher Energy-Gesellschafter und heute für Party FM in Wiener Neustadt verantwortlich. Er führt das Hitradio nun als "Konsulent".

Es werde "länger dauern", den Verbund in die schwarze Zahlen zu bringen. Gelingen werde es, meint Sebor. Er hat die Antenne Steiermark, 88.6 und Hitradio mit aufgebaut.

Weiss und Sebor sagten dem Krone-Radio zunächst 600.000, später 450.000 Hörer voraus. Zuletzt waren es 361.000. Die Medienbehörde entzog dem Verbund zwei Sendelizenzen in Salzburg und Kärnten. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2002)

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    Bernd Sebor (36) baute das Wiener Regionalradio 88.6 auf, 2001 wechselte er zum "Krone"-Radio.

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