Von Wein, Nackenstütze und Visitkarten

19. September 2002, 12:04
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Bei Girokonto, Bausparvertrag und Sparbucheröffnung sind die Banken auf Geschenkideen gekommen

Der Wettlauf der Banken um jeden einzelnen Kunden treibt mitunter seltsame Blüten, und kaum eine Geschenkidee wird verschmäht. So wartet in den Bawag-Filialen auf jeden, der sich für den Business-Cash-Plan interessiert, "seine persönliche Nackenstütze", auf dass er gut gepolstert planen und für seine Sicherheit sorgen kann. Auch einfallsreich präsentieren sich Geschenke, die die Volksbank ihren Kunden anbietet, wenn sie sich entschließen ein "City Konto" zu eröffnen: Bis zum Jahresende darf man gratis mit den Wiener Linien kreuz und quer durch die Stadt pilgern und das "großzügig" angelegte Filialnetz erkunden.

Bei Abschluss eines Bausparvertrages gibt die Hypo unter anderem Handtücher aus, bei der Volksbank darf man sich über eine Geschenkbox mit österreichischem Wein freuen, und damit man diesen auch stilgerecht genießen kann, werden die Gläser gleich mitgeliefert. Unter dem Motto "Money Tip" verspricht derzeit die Bank Austria-Creditanstalt mit der so genannten "vernetzten Studenten-Karte" neben den üblichen Vorteilen (Visa-Cards mit Versicherungsschutz, Online-banking, Ticketing, Reisebonusservice etc) den Studiosi bei einer Kontoeröffnung bis spätestens 29. November ein Visitkartenset (auf der Website www.ba-ca.com ist das Design wählbar). Dazu kommt noch ein Lion.cc.-Gutschein im Wert von zehn Euro.

"Schöne Preise"

Außerdem gibt es Snowboard-Wochenenden in Tirol und andere "schöne" Preise zu gewinnen. So können Studenten dann im nicht gerade für seine Preisgünstigkeit bekannten Tirol beim Après-Ski ihre Visitkarte zücken.

Wenn Studenten aber besonders schlau sind, dann denken sie bereits jetzt gemeinsam mit ihrem persönlichen Kundenberater der Erste Bank und ihren Sparkassen über ihre Pensionsvorsorge nach. Damit sie die Zeit bis zu ihrem wohlverdienten Ruhestand auch ungefährdet überstehen, gibt es ein Fahrsicherheitstraining des ÖAMTC zu gewinnen. Geschenkt bekommt der Mensch, wie wir alle zur Genüge wissen, leider nichts in seinem Leben, und daher gilt es vorher noch die schier unüberwindliche Barriere von drei Quizfragen zu überwinden. Ohne "Goodies" wird praktisch kein Standard-produkt der Banken mehr angeboten.

Nur meine Kinder kennen das Problem, unter so vielen attraktiven Angeboten auswählen zu müssen, noch nicht. Sie freuen sich auch heuer wieder auf den Weltspartag und werden wahllos alle Geschenke an sich raffen, die sie kriegen können. (Birgitt Hochegger, DER STANDARD, Printausgabe 19.9.2002)

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