Das große Umdenken

19. September 2002, 12:01
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Sicherheit hat sich beim Geldanlegen vor die Gewinnmaximierung gedrängt - Sparbuch , Immobilienaktien, Garantieprodukte, Gold und Fondssparen wieder gefragt

Wie viel Gewinnsteigerung muss der Sicherheit - also dem Schutz vor Verlusten - geopfert werden?

Bei den derzeit modernen Garantieprodukten muss der Kapitalschutz mit einigen Prozent möglicher Performance erkauft werden. Bleibt das Ersparte auf einem Sparbuch, dann fallen die theoretischen Rechnungen, wie sehr sich dieses Kapital in einem Aktienfonds vermehren könnte, ebenfalls in die Kategorie "vermutlich teuer erkaufte Sicherheit". Das gilt auch beim Bausparen, außer ein Bauspardarlehen ist geplant, denn dann sind ja die Zinsen dafür mit sechs Prozent überschaubar.

Boom bei Immobilienfonds

Trotzdem überwiegen - nach zweieinhalb Jahren Abwärtstendenz an den internationalen Aktienbörsen - die Sicherheits- und Kontrollmotive bei den Anlegern. Das zeigt etwa auch der Boom bei den deutschen Immobilienfonds, die im ersten Halbjahr über zehn Mrd. Euro Geldzufluss hatten. Das ist so viel frisches Kapital, dass diese Fonds die Gelder in Geldmarktfonds zwischenparken müssen, weil ihnen dafür die Anlageobjekte fehlen.

Anleger fürchten aber, dass ihre Verluste nicht mehr aufzuholen sind und Aktien ihnen nie mehr die zweistelligen Erträge der 90er-Jahre bringen. Damit mögen sie auch Recht haben, denn wenn internationale Analysten in einem Punkt übereinstimmen, dann in dem, dass viele Jahre mit sechs, maximal acht Prozent Aktienrendite bevorstehen. Dies allerdings, sollte der viel gesuchte "Boden" an den Märkten schon gefunden worden sein.

Dass sich viele für Sicherheit entscheiden, zeigt auch der Boom beim Sparbuch und beim Bausparvertrag in Österreich, verdeutlichen der Run auf Vorsorgewohnungen und der florierende Absatz bei kapitalgeschützten Anlageprodukten. Gleichzeitig kommt aber auch wieder etwas Bewegung in die Aktien, was auch der leichte Geldzufluss in heimische Aktienfonds im August zeigt.

Längerfristige Perspektive

Magere Märkte zwingen ja nicht notwendigerweise zum Erstarren, sondern verlangen andere Absicherungsstrategien und zwingen zu einer längerfristigen Perspektive, wie etwa beim Fondssparen, wo gleichmäßig eingezahlte Beiträge in Zeiten niedriger Kurswerte mehr Anteile bringen, die in - späteren - besseren Zeiten wiederum mehr Kapital bedeuten.

Wer sich täglich mit seinem Portfolio beschäftigt, für den kommen auch alle deriva- tiven Absicherungsstrategien der Profis infrage - für Nichtfachleute ist das allerdings ein Minenfeld. In Gefahr könnten sich auch alle begeben, die jetzt noch auf eine weitere Goldrallye setzen. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 19.9.2002)

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    foto: photodisc
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