Am Höhepunkt des gelben Glanzes

19. September 2002, 11:52
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Die Goldrallye scheint demnächst beendet - Mehr als zwei Dutzend Fonds und Minenaktien sind eine Alternative, die allerdings auch politische Risken und Währungsgefahren in sich birgt

Am Golde hängt, zum Golde drängt alles. Angesichts der Rallye seit Anfang 2001 und der jüngsten Kursavancen des Edelmetalls kann man sich des Eindrucks nicht entziehen, zumal immer mehr Kundenberater wie Kommentatoren raten, den Goldanteil im Portfolio zu erhöhen. Argumente wie die noch selten erlebte Aktenbaisse, die historisch tiefe Rendite von Zinstiteln, die schwelende Irak-Krise, die schwache Konjunktur und der bröckelnde Dollar wiegen derzeit stärker als ein simpler Blick auf die Angebot- und Nachfrageseite, die schließlich den Preis bestimmt.

Die Nachfrage-Frage

Doch gerade bei der Goldpreisentwicklung gibt es eine Fülle von Faktoren, die für die Privatanleger schwer zu kalkulieren sind. Gold wird zu 80 Prozent von der Schmuckindustrie nachgefragt. Da die größten Käufer aus Asien kommen, liegt das Hauptaugenmerk auf zwei kaum zu analysierenden Faktoren: inwieweit die nachlassende Konjunktur die Goldnachfrage dämpft und ob japanische Paare sich weiterhin lieber mit Platin statt mit Goldringen - da diese wohl besser zum Teint passen - trauen lassen.

Auf der Angebotsseite stehen einerseits die Goldminen, andererseits die Notenbanken mit ihren Goldvorräten. Letztere sind seit 1976 vom Nachfrager zum Anbieter mutiert, da die eigene Währung nicht mehr durch Goldreserven gedeckt werden muss. Und da physisches Gold keine Renditen bringt, warten weltweit rund 32.000 Tonnen Gold auf neue Käufer.

Versuch der Verknappung

Goldproduzenten wie Placer Dome, die sechstgrößte unter den Goldminen, versuchen zurzeit durch eine 20-prozentige Rücknahme der Verkaufsmenge Preisrückschläge zu vermeiden. Die Nachfrage ist aber bei Preisen von rund 330 Dollar je Unze stark geschrumpft, und seriöse Goldhändler berichten, dass nicht nur "die Musik" nur mehr auf dem Terminmarkt "spielt", sondern auch große Verkaufsaufträge bei 340 Dollar warten.

Selbst das World Gold Council rechnet mit einem durchschnittlichen Preis von 320 Dollar für das Gesamtjahr 2003. Damit scheint auf dieser Höhe der zuletzt markante Anstieg des Edelmetalls kurzfristig beendet.

"Glänzende" Zukunft

Wer jedoch weiter an eine "glänzende" Zukunft glaubt, sollte Investmentfonds oder Minenaktien einem physischen Kauf in Form von Schmuck, Münzen oder Barren vorziehen. Ein gutes Timing ist aber vonnöten, da auch gut gestreute Fonds - wie der Merrill Lynch Gold Fund (WKN 974119, Kurs ca. 14,80 Euro) und seine rund 30 anderen Mitbewerber - eine recht hohe Schwankungsfreudigkeit aufweisen. Grund dafür ist der hohe Veranlagungsgrad in Goldminenaktien.

Die bedeutendsten Goldminenaktien wie Anglogold, Gold Fields oder Harmony notieren in Südafrika und zeigen oft sehr unterschiedliche Performance. Grund dafür sind nicht so sehr die Gestehungskosten, sondern wie stark das Management seine Produktion durch Verkäufe in der Zukunft absichert. Wird die Produktion nicht abgesichert, können Investoren direkt an einer Erholung des Goldpreises partizipieren.

Beim einzelnen Kauf dieser Minenaktien sollte man sich aber immer des politischen Risikos (die Regierung Südafrikas arbeitet an einem Beschluss, welcher schwarzen Südafrikanern eine größere Beteiligung - "Black Empowerment" - ermöglichen soll) sowie der labilen Währung südafrikanischer Rand bewusst sein. Nicht zuletzt lohnt eine genaue Berechnung, ab welchem Kursgewinn die teilweise recht hohen Auslandsspesen überhaupt erst verdient sind. (Ulrich Baumann, DER STANDARD, Printausgabe 19.9.2002)

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