Anlage mit festem Netz

19. September 2002, 12:01
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Das aktuelle Angebot an Garantieprodukten ist dicht und variantenreich - Wer die maximale Sicherheit sucht, muss bei der möglichen Rendite teils ordentliche Abstriche machen

Die SKWB Schoellerbank war vor wenigen Jahren noch Exote und Vorreiter auf dem Gebiet der Garantieprodukte. "Wir haben schon 1994 begonnen, derartige Produkte zu entwickeln, und haben 1997 das erste echte Garantieprodukt auf den österreichischen Markt gebracht", beschreibt Peter Schillinger, Leiter der Abteilung Garantieprodukte in der Schoellerbank die damalige Pioniertat seines Instituts. Doch in den späten Neunzigerjahren war die Welt der Aktienmärkte noch in Ordnung - dementsprechend verhalten war auch der Wunsch der Anleger nach einer Geldanlage, die als erste Priorität das eingesetzte Kapital garantiert und erst an zweiter Stelle mit der möglichen Chance auf solide Renditen aus Aktieninvestments lockt.

Boomender Markt

Heute hingegen, nur wenige Jahre danach, hat sich das Bild grundlegend geändert. Die Zahlen sprechen für sich: Im letzten Jahr konnte Marktführer Schoellerbank mit Garantieprodukten 125 Millionen Euro an Volumen lukrieren, heuer werden es geschätzte 140 Millionen Euro sein. "Unsere Zielgruppe sind typische Sparer, denen wir die Scheu vor den Aktienmärkten nehmen wollen", sagt Schillinger. Das Prinzip einer Kapitalgarantie ist relativ einfach: Rechtlich als Anleihe konzipiert, wird zunächst ein Großteil des Geldes in eine Nullkupon-Anleihe investiert, die über eine bestimmte Laufzeit das Kapital fast oder zur Gänze absichert. Mit dem kleineren Rest wird mittels Optionen an den Aktienmärkten spekuliert, sodass man bei einer günstigen Entwicklung der Märkte am Ende der Laufzeit zu einem Teil am Erfolg dieser Optionen partizipiert.

Ein derartiges Netz kostet aber natürlich Geld: Die Ausgabezuschläge bewegen sich zwischen nicht gerade billigen zwei und fünf Prozent, zusätzlich werden während der Laufzeit Spesen verrechnet. Deshalb lohnt sich bisweilen die Überlegung, ob nicht ein solide verzinstes Sparbuch letztendlich mehr Rendite bringt. Relativ neu in Österreich sind so genannte Kapitalschutz-Fonds, wie sie etwa die Schweizer Vontobel AG anbietet. Ein Floor als Vermögensuntergrenze schützt dabei zwar das Kapital, eine echte Kapitalgarantie gibt es jedoch rechtlich gesehen nicht.

Zahlreiche Angebote

Allein in diesem Herbst bringt nicht nur die Schoellerbank, sondern fast jedes namhafte österreichische Geldinstitut ein neu gestricktes Garantieprodukt auf den Markt. Die Bank Austria-Creditanstalt bietet soeben eine Neuauflage der "Weltaktienindex-Garantieanleihe" mit dreijähriger Laufzeit an, fünf Jahre beträgt die Laufzeit des neuen "Kapitalgarantierten Indexperformers" der Bawag/P.S.K. Auch Kathrin Gögele von der Produktentwicklung der Raiffeisen Centrobank ortete bei ihrer jüngsten Tour durch die Bundesländer reges Interesse am neu aufgelegten "Winner-Zertifikat" mit achtjähriger Laufzeit. Einen alternativen Weg beschreitet derzeit die Volksbanken AG: Beim "GP 112" fließt das Geld in eine Nullkupon-Anleihe und in einen Korb von Hedgefonds. Abgesehen von den teils recht saftigen Spesen bei Garantieprodukten gilt es auch gründlich zu bedenken, ob man sein veranlagtes Geld für die gesamte Laufzeit entbehren kann. Denn obwohl nahezu alle Produkte an der Börse oder außerbörslich gehandelt werden, kann ein vorzeitiger Ausstieg eine böse Überraschung bedeuten: Kräftige Kursabschläge muss man dabei jedenfalls einkalkulieren. Und nicht zuletzt: Ist das ganze Geld in einem Garantieprodukt geparkt, könnte es passieren, dass man den nächsten Börsenboom versäumt. (Gerlinde Maschler, DER STANDARD, Printausgabe 19.9.2002)

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