Rentenfonds als Alternative zum selektiven Anleihe-Kauf

19. September 2002, 11:41
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Auf der Suche nach dem passenden Fondsprodukt

Freilich lässt sich alles komplizieren. Auch der Kauf von Anleihen. Da sollten Bonität des Emittenten, Laufzeit, Verzinsung, Kurs, Stückelung, Kupon-Termin, Marktfähigkeit, Kündigungsbestimmungen beachtet und abgewogen werden. Risikostreuung wäre auch nicht schlecht. Der Zinstrend nicht zu vergessen.

Das Angebot des Beraters über die jüngste Emission seiner Bank klingt auch nicht schlecht. Die Wiederveranlagung von Zinsen und Tilgungen muss ebenfalls immer wieder bedacht werden. Wem davon der Kopf schwirrt, für den kommen die Angebote der Investmentfonds gerade recht. Sicher ein Hauptgrund, warum sich Rentenfonds höchster Beliebtheit erfreuen.

Hauptsache Anleihen

"Etwa 60 Prozent des gesamten österreichischen Investmentfonds-Volumen von 89 Mrd. Euro entfielen per Ende August auf Rentenfonds", sagt Wolfgang Dorten, Geschäftsführer des Verbandes Österreichischer Investmentgesellschaften. Da tut es auch nicht allzu viel zur Sache, dass in den letzten Monaten die Rentenfonds leichte Mittelabflüsse zu verzeichnen hatten. Die Statistik scheint anzudeuten, dass vor allem größere Investoren den Boden in der Zinsentwicklung erreicht sahen und daher in geldmarktnahe Fonds umstiegen. Und welchen Fonds soll man nun wählen?

"Die peniblen Performance-Vergleiche sind weniger wichtig als die Grundsatzentscheidung: Wie soll meine Asset-Allocation (die Vermögensverteilung auf die diversen Anlagemöglichkeiten) aussehen?", rät Dorten, früher selbst Geschäftsführer einer der größten Fondsgesellschaften. Außerdem gibt es bei Rentenfonds die unterschiedlichsten Schwerpunkte: Veranlagung in Euro oder Dollar oder anderen Währungen, in Anleihen von EU-Kandidaten, in Staats-oder in Unternehmensanleihen, in Wandelanleihen, in bestimmte Schuldner-Kategorien.

Zu wählen ist weiters zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Fonds. Performance-Stars waren im letzten Jahr meist Fonds, die in Anleihen von EU-Kandidaten-Ländern investierten. Ihnen kam die allmähliche Angleichung des Zinsniveaus in den Ostländern an EU-Sätze und die teilweise festere Währung zugute. Dagegen konnten Fonds, die in "High-Yield-Bonds", also Anleihen von Schuldnern geringerer Bonität, die aber hohe Renditen versprechen, investierten, ihrem Namen nicht gerecht werden. Die stärkere Risiko-Aversion und manche Ausfälle machten solchen Fonds erheblich zu schaffen.

Achtung, Spesen

Klar sollte sein, dass die Performance der Rentenfonds in den vergangenen zwei Jahren stark durch die Zinssenkungen beeinflusst war. Indem hier nicht mehr allzu viel Spielraum besteht, dürfen auch die künftigen Erwartungen nicht an den Zahlen der jüngsten Vergangenheit orientiert werden. Übrigens, für die Performance spielen die Spesen eine wichtige Rolle.

Da zählt nicht nur der Ausgabe-Aufschlag, die Verwaltungskosten sind ebenfalls zu beachten. Da sie auf den Prospekten oft nicht sofort ersichtlich sind, lohnt es sich, die Rechenschaftsberichte genauer zu studieren. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Printausgabe 19.9.2002)

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