Seehundstaupe hat die Ostsee erreicht

19. September 2002, 11:56
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Das mögliche Ausmaß der Seehundstaupe ist noch immer nicht absehbar

Stralsund - Das Seehundsterben hat die Ostsee erreicht. Ein Anfang September tot bei Zingst in Mecklenburg-Vorpommern gefundenes Tier sei definitiv an der Seehundstaupe gestorben, sagte der Meeresbiologe Klaus Harder vom Deutschen Meeresmuseum Stralsund am Donnerstag. "Das belegen die Untersuchungsergebnisse vom Lebensmittel- und Veterinäruntersuchungsamt Neumünster, die uns jetzt vorliegen." Weitere Verdachtsfälle gebe es an der Südküste Dänemarks.

Verklebte Augen

Zudem musste am Mittwoch vor Dierhagen (ebenfalls Mecklenburg- Vorpommern) ein schwer krankes Tier getötet werden. "Es wies die typischen Symptome der Seehundstaupe, wie eitrige Lungenentzündung und verklebte Augen, auf", sagte der Seehundexperte. Der Kadaver sollte am Donnerstag zur Untersuchung gebracht werden. "Wir gehen davon aus, dass auch dieses Tier an der Staupe erkrankt war."

Im Kattegat zwischen Nord- und Ostsee ausgebreitet

Die Seuche hatte ursprünglich im Kattegat zwischen Nord- und Ostsee begonnen und sich von dort zunächst in die Nordsee ausgebreitet. Das mögliche Ausmaß der Seehundstaupe in der Ostsee ist nach Einschätzung Harders noch nicht absehbar. Es seien aber lediglich Tiere des nordatlantischen Seehundes (Phoca vitulina) betroffen. Von dieser ursprünglich in der Nordsee beheimateten Art lebt nur ein kleinerer Bestand von 400 bis 500 Tieren in der Ostsee.

Mehrere tote Seehunde seien auch an der Südküste der dänischen Inseln Lolland und Falster gefunden worden, sagte Harder. Die Untersuchungsergebnisse lägen noch nicht vor. Es sei aber wahrscheinlich, dass es sich auch hier um Staupe handele. In der Nordsee und im Kattegat sind an der Seuche bisher rund 13.000 Tiere gestorben. (APA)

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