Mit dem Sparbuch ein Trendsetter

19. September 2002, 11:31
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Sparer lassen sich durch magere Zinsen nicht abschrecken

Wer derzeit mindestens ein Sparbuch sein Eigen nennt, kann sich guten Gewissens als Trendsetter bezeichnen. Nach jahrelanger Durststrecke gewinnt das Sparbuch wieder an Beliebtheit. "Heuer gibt es bei den Sparbüchern erstmals seit Jahren wieder Zuwachsraten", erzählt August Wilhelm Jungmeister, Leiter des Primärmittel-Managements in der Bank Austria-Creditanstalt. "Plus zwei Prozent", schätzt er den Markt ein. Kriegsängste und enttäuschende Wirtschaftsdaten sind es, die die Anleger in Scharen weg von Aktien und hin zum nervenschonenden Sparbuch treiben. Nach dem Motto: Wenig Geld fürs Geld, das aber sicher. Denn angesichts der weltweit dümpelnden Konjunktur ist auch das Zinsniveau auf einen Tiefstand abgerutscht, und die heimischen Geldinstitute reduzieren seit Monaten regelmäßig die Zinsen für Spareinlagen.

Das auf den ersten Blick so simpel wirkende Produkt hat allerdings auch seine Tücken: Sparbuch ist heute bei weitem nicht Sparbuch. Fast jedes Institut bietet unter verlockend klingenden Namen, die Gewinn- oder Erfolgssparbuch oder ähnlich lauten, seine eigenen Konditionen an. Und ein genauer Vergleich lohnt sich: So bekommt man etwa bei der Bank Austria-Creditanstalt für täglich fällige Spareinlagen magere 0,125 Prozent, währen die Bawag/ P.S.K. immerhin mit 0,5 Prozent das Dreifache bietet. Noch kundenfreundlicher klingt das Angebot der über das Internet operierenden easybank: Zwei Prozent für täglich fällige Einlagen sind ein Spitzenwert. Er gilt aber für das gebührenpflichtige Girokonto namens easykonto.

Bevor aber ein Kunde eines großen Instituts zu den mit besseren Konditionen lockenden kleinen Banken abwandert, lohnt sich ein Verhandlungsgespräch.

Alles verhandelbar

"Es ist alles verhandelbar, vor allem wenn der Kunde auch andere Geschäfte bei uns tätigt", sagt August Wilhelm Jungmeister. Und auch Do-it-yourself wird belohnt: Fast alle Banken bewerben unter Bezeichnungen wie Erfolgscard oder Profitcard Produkte, mit denen der Gang zum Bankschalter überflüssig wird. Auf Sparkarten im Scheckkartenformat schreibt man selbst Guthaben oder Zinsen via Internet oder Selbstbedienungskassen gut, was mindestens ein Prozent für täglich fälliges Geld bringt. Nicht zuletzt lohnt sich auch die Überlegung, ob man sein Geld wirklich schon morgen für größere Anschaffungen benötigt: Wer es mindestens ein Jahr entbehren kann, darf schon mit annähernd drei Prozent Zinsen rechnen. Abzüglich KESt und Inflation kann sich aber jeder ausrechnen, dass das Sparbuch tatsächlich mehr dem ruhigen Schlaf als einer erklecklichen Veranlagung dient. (Gerlinde Maschler, DER STANDARD, Printausgabe 19.9.2002)

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