Auch Kleinvieh macht auf Dauer Mist

19. September 2002, 11:55
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Monat für Monat ein wenig Geld beiseite legen und es in einem Fonds anlegen, diese Form der Geldanlage hat sich in den vergangenen Jahren vermehrt auch in Österreich durchgesetzt

Wien - Die einen nennen es Wertpapierplan, die anderen Ansparplan oder Kapitalplan; gemeint ist immer dasselbe: Nicht einmal einen großen Betrag anlegen, sondern regelmäßig kleinere Beträge per Dauerauftrag vom Konto abheben und von Fondsmanagern investieren lassen. Dadurch naschen die Anleger am so genannten Cost-Average-Effekt mit. Dieser entsteht bei regelmäßigem Ansparen. Der Anleger kauft auf lange Sicht günstiger, denn derselbe Betrag wird regelmäßig investiert. Fallen die Kurse, werden mehr Anteile gekauft. Steigen die Kurse, werden weniger Anteile gekauft. Was die Performance absichern sollte.

Es gibt keine Wunder

"Wunder darf sich natürlich keiner erwarten", meint Johann Griener von der Erste Sparinvest. Aber wie andere Experten sieht er im regelmäßigen Sparen mit fixen Erträgen in einem Kapitalplan eine gute Lösung: "Das ist in jeder Börsenphase sinnvoll. Je stärker die Schwankungen, desto mehr macht ein Kapitalplan Sinn." Griener zieht auch die Historie heran: "Wer von Anfang der 60er-Jahre bis 1982 in den breiten US-Unternehmensindex S&P 500 investiert hat, hätte nur mit dem Cost-Average-Effekt Geld verdienen können." Das heißt: Fahren die Börsen einen Zickzackkurs ohne klare Richtung, ist Geldverdienen praktisch nur mit einem Ansparplan drin. Anders dagegen ist es bei klaren Tendenzen der Aktienbörsen. Das zeige sich auch im Anlegerverhalten. Da legen die Anleger traditionsgemäß mehr über Einmalerträge an.

Langfristig investieren

Auch Paul Severin, Leiter Fondsmanagement in der Capitalinvest, sieht Vorteile bei einem Ansparplan: "Speziell bei volatileren Produkten bietet sich ein solcher Plan an, zum Beispiel bei einer Anlage in Emerging Markets, der Telekombranche oder Biotechnologie." Severin verweist auch auf die Länge des Engagements. Zudem spricht der Experte den Cost-Average-Effekt bei Einmalerlägen an. "Legt man eine größere Summe an, sollte man das auch immer auf mehrere Zeitpunkte verteilen und dadurch das Risiko meiden. Hohe Schwankungen werden ausgeglichen."

In einem wichtigen Punkt sind sich die Experten einig: Die Anleger dürfen den Anlagehorizont nicht aus den Augen verlieren, sprich sollen ihr Geld möglichst lange an den Börsen arbeiten lassen. So rät auch Mathias Bauer, Vorstand der Raiffeisen Kapitalanlagegesellschaft (KAG), die derzeitige Krise an den Märkten "auszusitzen", auch über einen längeren Zeitraum. Denn wer bei einem Sparplan 150 Euro pro Monat investiert, bekommt bei fallenden Börsen mehr Anteile, bei sinkenden weniger. Auf lange Sicht kaufen Anleger also günstiger ein. Sie haben zudem die Wahl zwischen Aktien- oder Rentenfonds. Wer auf Nummer sicher gehen will, spart meist per Rentenfonds an. Das hängt von der Risikoeinschätzung des Einzelnen ab. Höhere Renditen können allerdings bei höheren Schwankungen erzielt werden, was wieder für die Aktienfonds spricht.

Eine Berechnung anhand des Templeton Growth Fund zeigt die unglaubliche Ausgeglichenheit einer solchen Investition bei steigenden Märkten: Anleger X und Anleger Y haben von 1973 bis 1992 regelmäßig 5000 Euro im Fonds. Anleger X kauft immer zum Höchststand, Anleger Y genau zum Tiefststand. Der durchschnittliche Renditeunterschied über die Jahre ergibt eine minimale Schwankung von 1,4 Prozent. Anleger X hat 13,8 Prozent Rendite erzielt, Anleger Y 15,2 Prozent. Was auch zeigt: Je länger der Anlagehorizont, um so stärker relativiert sich hier der Einstiegsmoment. Zudem fallen die Schwankungen der Aktien weniger ins Gewicht, und die durchschnittlichen Renditen klettern in die Höhe. (Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Printausgabe 19.9.2002)

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