Katharina Wagner inszeniert den "fliegenden Holländer"

19. September 2002, 11:08
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Vom "Grünen Hügel" an den Main: Regiedebüt der Wagner-Urenkelin

Würzburg - Für das Würzburger Mainfranken Theater ist es ein Coup: Fast 170 Jahre, nachdem Richard Wagner (1813-1883) als 20-Jähriger in Würzburg das "Finis" unter seine Oper "Die Feen" setzte, will seine Urenkelin an selber Stelle in das Familiengeschäft einsteigen. Katharina Wagner (24), Tochter des Bayreuther Festspielchefs Wolfgang Wagner, gibt am 22. September am Mainfranken Theater ihr Regiedebüt. Das Stück: Richard Wagners "Der fliegende Holländer".

Ausverkauftes Haus, deutschlandweite Aufmerksamkeit

Die Rechnung des Intendanten Reinhold Röttger ist aufgegangen. Bangte das Theater vor rund eineinhalb Jahren noch um sein Fortbestehen als Drei-Sparten-Haus, so ist die Bühne nun wieder in aller Munde. Rund 70 KritikerInnen aus dem In- und Ausland haben sich zur Premiere ausgerechnet am Wahlabend angekündigt. "Es gibt gleichwertige Inszenierungen in dieser Spielzeit, aber keine wird so viel Aufmerksamkeit erregen wie die von Katharina Wagner", sagt Röttger.

Eine Art der Nachwuchsförderung

Die Frau, die Katharina Wagner in die Domstadt holte, ist Margot Müller. Sie ist Vorsitzende des Richard-Wagner-Verbandes in Würzburg, mit mehr als 2.700 Mitgliedern einer der weltweit größten unter 135 Verbänden. Zum 20-jährigen Bestehen ihres Verbandes fädelte sie die Sache ein. "Ich bin schon stolz darauf, dass ich diese Idee hatte", sagt die 80 Jahre alte Inhaberin eines Würzburger Autohauses. Schließlich sei die Nachwuchsförderung wesentliche Aufgabe des Wagner-Verbands, der 20.000 Euro zum Regiedebüt beisteuert. Mitglieder von knapp 20 Wagner-Verbänden aus Deutschland und dem Ausland werden zum Galaabend erwartet.

"Ich mache es"

Am Rande der Bayreuther Festspiele hatte Margot Müller die "Kronprinzessin" auf dem Grünen Hügel, die als künftige Festspielchefin gehandelt wird, für ihre Pläne gewinnen können. Ob sie den Mut für ein Debüt am Mainfranken Theater habe, habe sie die 24-Jährige gefragt. Sie wolle erst mit ihren Eltern darüber sprechen, so die zögerliche Antwort der jungen Wagner. Nach drei Tagen dann der Anruf: "Ich mache es."

Der Name Wagner als Belastung

Und so stieg Katharina Wagner vom Grünen Hügel hinab zum Provinz-Theater an den Main. "Ich kannte die schwierige Lage des Theaters und hoffe, dass ich auch helfen kann", sagt sie heute. In aller Stille liefen die Proben an, auch zur Generalprobe wollte die ehrgeizige Jung-Regisseurin kein Publikum. "Sie steht unter unheimlichen Druck", verteidigt Intendant Röttger den strikten Kurs seines Schützlings. Sie habe ihren eigenen Kopf und suche ihren eigenen Weg. "Ich habe ihr zu Beginn meine Hilfe angeboten, aber im Prinzip hat sie nicht sehr viel Hilfe verlangt", meint der 71-Jährige.

Der Name Wagner sei auch eine Belastung, erklärt Katharina Wagner angesichts der hohen Erwartungen. Bisher sammelte sie als Regie-Assistentin unter anderem in Berlin und bei ihrem Vater in Bayreuth Erfahrungen. Ihre erste Regiearbeit hätte nicht unbedingt ein Wagner-Stück sein müssen, meint sie. "Für mich war es wichtig, dass ich von der Tragfähigkeit des Gesamtkonzeptes überzeugt sein musste. Beim "Holländer" war und bin ich das hundertprozentig." (APA/dpa)

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