Deutschland: Razzien bei vermuteten Ablegern des "Kalifatsstaates"

19. September 2002, 10:25
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Vereine sollen Verbindungen zu verbotener islamistischer Vereinigung haben

Berlin - Die deutsche Polizei hat am Donnerstag Früh in fünf deutschen Bundesländern die Lokale von vermuteten Teilorganisationen der islamistischen Vereinigung "Kalifatsstaat" durchsucht. Die Vereinigung "Kalifatstaat" war bereits im Dezember 2001 ebenso wie die dazu gehörige Stiftung "Diener des Islam" sowie 19 Teilorganisationen verboten worden. Das Innenministerium teilte am Donnerstag mit, nun seien weitere 16 Gruppierungen verboten worden, die verdächtigt werden, Ableger des "Kalifatsstaates" zu sein. Gegen zwei Organisationen seien vereinsrechtliche Ermittlungen im Gang.

All diese Organisationen richteten sich laut Ministerium "gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik und den Gedanken der Völkerverständigung". Zudem gefährdeten sie die Innere Sicherheit sowie "erhebliche außenpolitische Belange" der Bundesrepublik, erklärte des Innenministerium. Dem "Kalifatsstaat" werden in ganz Deutschland rund 1.000 Anhänger zugerechnet.

Die 16 jetzt verbotenen Organisationen des "Kalifatstaates" befanden sich nach Angaben des Ministeriums in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die insgesamt 100 Durchsuchungen in Vereinslokalen hätten um 6.00 Uhr begonnen.

Das Oberhaupt des "Kalifatsstaates", der als "Kalif von Köln" bekannte Islamistenführer Muhammed Metin Kaplan, verbüßt zurzeit eine vierjährige Haftstrafe, zu der er wegen Aufrufs zum Mord an einem Rivalen verurteilt worden war. Die Türkei hat seine Auslieferung beantragt. Kaplan soll im März 2003 aus der Haft entlassen werden. (APA/AP/dpa)

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