von Clarissa Stadler
Die Synthese heißt "Vampyr"

3. Oktober 2002, 13:43
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Der Lift kommt nicht. Erst leuchtet ein roter Pfeil nach oben, dann der nach unten. Dann leuchtet nichts mehr. Na gut, dann gehen wir eben die vier Stockwerke zu Fuß in die Haushaltsabteilung des Kaufhauses.

Wie sieht ein Staubsaugerverkäufer aus? Genau so, wie man ihn sich vorstellt. Oberlippenbärtchen, kurzärmeliges Hemd mit winzigen Tiermotiven drauf und ein flotter Spruch zur Begrüßung. Na, die Herrschaften? Was soll er denn können? Alles soll er können, Teppichboden, Zigarettenasche, Katzenstreu, Parkettboden. Ich starre auf das Pinguin-Hemd, während der Verkäufer vom Testsieger schwärmt. Schau'n Sie, auf die Watt kommt's an.

Und was ist mit dem Turbodesignklassiker aus England? Vierzig Pinguine schütteln sich, als der Staubsaugerverkäufer schallend zu lachen beginnt. Der? Den könnens vergessen. Anti-Allergiker-Filter, dass ich nicht lache. Und was macht der Allergiker, wenn er den Filter auswascht? Na? Eben. Diesem Mann kann man kein X für ein U vormachen, das will er hier ein für allemal klarstellen.

Ein guter Kauf ist einer, der Verkäufer und Kunden gleichermaßen zufrieden stellt. Ein guter Kauf funktioniert nach dem dialektischen Prinzip. Der Verkäufer stellt eine These auf. Dann muss der Kunde eine Antithese formulieren. Der Glücksmoment tritt ein, wenn sich beide auf ein drittes Produkt einigen. Die Synthese heißt "Vampyr", hat eine tadellose Wattleistung und ist das Rallyemodell unter den Staubsaugern. Schnittig, dabei schlicht, fair im Preis-Leistungs-Verhältnis und unaufdringlich im Abgang. Was sind schon vier Stockwerke? (derStandard/rondo/20/9/02)

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