Palaver, Drama und Village-Maps

25. September 2002, 21:21
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Memuna Fleurkens erarbeitet gemeinsam mit den Korbflechterinnen aus Bolgatanga/Ghana die Wünsche, Bedürfnisse und Stärken der Frauen und ihrer Gemeinschaft - ein dieStandard.at-Interview

Bereits seit Jahren arbeitet die Soziologin Memuna Fleurkens bei unterschiedlichsten NGOs im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Und hat dabei auch etliches erlebt: "Aus meinem letzten Projekt bin ich ausgestiegen, da es der Region zu massiven Unruhen mit über 80 Toten gekommen ist. Da hab ich mich einfach nicht mehr sicher genug gefühlt."

In Bolgatanga lernt sie mehr durch Zufall einige Fair-Trade-Projekte kennen und beginnt mit einer Gruppe von 193 Menschen zu arbeiten. Mit den vorwiegend weiblichen KorbflechterInnen erarbeitet sie sogenannte "Village-Maps", Karten auf denen Ressourcen, Schwachpunkte und Möglichkeiten des jeweiligen Ortes visuell aufgearbeitet werden. Ein weiterer wichtiger Teil ihrer Arbeit befasst sich mit den Gender-Rollen innerhalb der Familie und der Gemeinschaft.

"Aus der Analyse, dass wichtige Faktoren wie Reproduktion, Gewalt und auch das Entwicklungspotential einer Gemeinschaft mit den Geschlechter-Rollen in engem Zusammenhang stehen, versuchen wir diese gemeinsam mit den Leuten zu erarbeiten. Wir lassen sie ihr Verhalten in der Familie als kleines Theaterstück vorspielen. Und das funktioniert auch immer sehr konfliktfrei. Die Männer lachen sich meist selbst aus, weil sie sehen, wie unmöglich sie sich verhalten."

Memuna versucht auch mit den Frauen und Männern ein Bild davon zu zeichnen, wie sie sich ihr Leben gerne vorstellen möchten, was sie verändern würden, vor allem im Hinblick auf die zukünftigen Chancen ihrer Kinder. Ein ganz zentraler Punkt dabei ist die Bildung. Memuna: "Ich hatte Glück. Meine Eltern haben Ausbildung immer sehr hoch geschätzt, deswegen sind wir – ich und meine Geschwister – alle auf die Universität gegangen. Und Bildung verändert ungemein. Nicht nur die Chancen der Kinder, auch ihre Sicht- und Denkweisen. Es eröffnen sich neue Horizonte, und das ist, vor allem auch im Hinblick auf Geschlechterrollen und Gewalt in der Familie, überaus wichtig. Leider wird das noch nicht genügend erkannt, vor allem in den ländlichen Gebieten."

Nächstes Jahr im September wird ihr Projekt mit den KorbflechterInnen auslaufen, deshalb ist sie auch diesen Sommer auf Europa-Tournee. "Ich bin auf der Suche nach Menschen und Organisationen, die sich für Projekte im Bereich Entwicklungszusammenarbeit, Fair-Trade und Gender interessieren. Die sind alle willkommen. Wir haben zwei Fonds gegründet, einen für die KorbflechterInnen und einen für die Kinder, damit wir zum Beispiel Schulbücher oder Uniformen kaufen können. Begleitet wird das ganze von einer wissenschaftlichen Untersuchung, die von 4 Personen durchgeführt wird und erheben soll, ob und wie wir mit unserer Arbeit Fortschritte erreicht haben beziehungsweise was verbessert werden kann. Und das kostet natürlich auch Geld."

Da bleibt nur noch zu hoffen, dass Memuna mehr als nur ihren kleinen gelben Plastik-Fernseher, der die schönsten Ansichten Österreichs zeigt, mit nach Hause nehmen kann.

(e_mu)

  • Die Soziologin Memuna Fleurkens war auf Einladung der EZA - 3.Welt GesmbH. in Österreich auf Tournee
    murlasits
    Die Soziologin Memuna Fleurkens war auf Einladung der EZA - 3.Welt GesmbH. in Österreich auf Tournee
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