Spannendes Rennen um Bulgartabak

19. September 2002, 09:33
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Austria Tabak-Chef Mauhard: Wir sind der Bestbieter

Wien - Das Rennen um die zur Privatisierung ausgeschriebene Bulgartabak bleibt spannend: Anfang Oktober soll die Entscheidung fallen, ob das von der bulgarischen Regierung favorisierte bulgarisch-niederländische Bieterkonsortium Tobacco Capital Partners/Clar Innis aus dem Verfahren ausscheidet und ob es zu Nachverhandlungen kommt. In beiden Fällen könnte ein internationales Konsortium um den früheren Austria Tabak-Chef Josef "Beppo" Mauhart zum Zug kommen, denn "wir sind der eindeutige Bestbieter", wie Mauhart am Mittwoch zur APA sagte.

Das höchste bulgarische Verwaltungsgericht hat das Verfahren zum Verkauf einer 80-Prozent-Mehrheit an Bulgartabak auf Grund von Klagen der Mitbieter gestoppt. Beanstandet werden mehrere Verfahrensmängel, darunter eine fehlende Bankgarantie bei Tobacco Partners, wiederholt veränderte Ausschreibungsbedingungen und die Tatsache, dass am Tobacco Partners-Konsortium auch jenes Rechtsbüro beteiligt ist, das die Due Diligence-Verfahren bei Bulgartabak durchgeführt hat. Das Gericht hat jetzt von der Privatisierungsagentur alle relevanten Unterlagen zur Prüfung angefordert.

"Gute Chancen"

Mauhart rechnet sich für seine "Tabacco Holding GmbH" mit Sitz in Wien gute Chancen aus, falls das bisher favorisierte bulgarisch-niederländische Konsortium ausscheidet. Die beiden übrigen Mitbewerber, die russisch-bulgarische Ross-Bulgartabak und die russische Metatabak-Gruppe, sieht der Ex-Austria Tabak-Chef bereits abgeschlagen.

Das Offert von Mauharts Tabacco Holding liegt mit einem Kaufpreis von 96 Mill. Euro zwar hinter den 110 Mill. Euro, die Tobacco Partners bieten. "Wir haben aber unsere Bereitschaft signalisiert, auf Grund der guten Halbjahresergebnisse der Bulgartabac nachzubessern, haben als einziges Konsortium einen Business Plan vorgelegt, unser Angebot mit einer Bankgarantie unterlegt und haben nachweislich die größte Tabakkompetenz", sagte Mauhart. Samt der Übernahme von Schulden und Investitionszusagen belaufe sich das Offert de facto auf rund 200 Mill. Euro.

Beschäftigungsgarantie

Zudem habe die Tabacco-Holding, der der US-Finanzinvestor International Tobacco Fund, ein großer griechischer Rohtabakhändler und die Raiffeisen Investment AG (RIAG) angehören, als einziger Bieter eine umfassende Beschäftigungsgarantie für einen Großteil der knapp 10.000 Bulgartabak-Mitarbeiter abgegeben und sich zur Weiterentwicklung des für das Land wichtigen Rohtabak-Anbaus verpflichtet.

Bulgarien zählt zusammen mit der Türkei und Griechenland zu den wichtigsten Herstellerländern von Orienttabaken. Ein großer Teil der türkischen Bevölkerungsminderheit im Land ist wirtschaftlich auf den Tabakanbau angewiesen, weshalb dem Verkauf des Tabakriesen auch politische Brisanz zukommt. Die türkische Partei bringt es in Bulgarien auf rund 10 Prozent der Stimmen.

Mauharts Tabacco Holding habe überdies eine Sachverhaltsdarstellung an bulgarische Politiker, den Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen übermittelt. Bei Gesprächen mit bulgarischen Politikern sei man auf positives Echo gestoßen, ebenso bei den Medien des Landes, so Mauhart. (APA)

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