Forscher erreichten Über-Lichtgeschwindigkeit

20. September 2002, 09:41
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Experimentalphysiker versuchen Albert Einsteins Theorie zu widerlegen

Wien - Seit Jahrzehnten versuchen vor allem Experimentalphysiker weltweit, die weitgehend anerkannte Theorie Albert Einsteins einer absoluten und unübertrefflichen Lichtgeschwindigkeit zu widerlegen, meist mit zweifelhaftem Erfolg. Nun wollen Physiker der Middle Tennessee State University (USA) laut der Zeitschrift "New Scienist" mit relativ einfachen Mitteln elektrische Pulse in einem Kabel mit der vierfachen Lichtgeschwindigkeit erzeugt haben.

Laut Relativitätstheorie, die Einstein Anfang des vorigen Jahrhunderts aufstellte und die bis heute niemand wirklich widerlegen konnte, ist die Lichtgeschwindigkeit von rund 300.000 Kilometern pro Sekunde eine absolute Grenze. Kein Teilchen, keine Welle kann schneller unterwegs sein.

Physikalische Tricks

Einer, der immer wieder an der Absolutheit der Lichtgeschwindigkeit kratzt, ist der Wiener Physiker Anton Zeilinger. So gelingt es ihm mit verschiedenen physikalischen Tricks, Information in Echtzeit - also ohne Zeitverzögerung - zu übertragen. Ob Einsteins Theorien damit widerlegt oder wenigstens angekratzt sind, bleibt vorläufig offen.

Jeremy Munday und Bill Robertson von der Middle Tennessee State University haben bei ihren Experimenten jedenfalls keine Information, sondern elektrische Pulswellen beschleunigt. Sie verwendeten dazu keine aufwändigen Spezialgeräte, sondern ein aus verschiedenen Teilen zusammengesetztes 120 Meter langes Koaxialkabel. Die einzelnen, sechs bis acht Meter langen Kabel-Abschnitte wiesen verschiedene Widerstände auf.

Höhepunkt

Sie hingen das Kabel an zwei Signal-Generatoren, einer sandte ein langsames, der andere ein schnelles Signal. Durch die unterschiedlichen Signale kam es zu so genannten Interferenz-Erscheinungen, was wiederum elektrische Pulse generiert, die über ein Oszilloskop beobachtet werden können. Jeder Puls besteht üblicherweise aus einer Gruppe von Wellen, sie steigen in der Höhe an, erreichen einen Höhepunkt (Peak) und ebben schließlich wieder ab.

Durch die raffinierte Anordnung der Kabel mit verschiedenen Widerständen gelang es den Physikern, dass die kleineren Wellen am Ende des Pulses einander gegenseitig reflektierten und so den Peak des Pulses nach vorne beschleunigten. Letztendlich zeigten die Messungen mit dem Oszilloskop, dass die Peaks mit Geschwindigkeiten von über vier Milliarden Kilometer pro Stunde durch das Kabel rasten.

Während die Peaks so deutlich beschleunigt wurden, blieb die Geschwindigkeit des Gesamtpulses gleich. Dies bedeute, dass Einsteins Relativitätstheorie nicht verletzt sei, so die Forscher. Auch seien deshalb auf Grund der Forschungen keine superschnellen Raumschiffe oder Zeitmaschinen möglich. (APA)

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