Opec lässt die Finger von den Ölhähnen

19. September 2002, 19:28
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Förderkartell entzieht sich den Wünschen der Industrieländer nach einer Ausweitung der Förderquoten

Osaka - Die Opec hat am Donnerstag bei einem Ministertreffen in Osaka in Japan beschlossen, die bisherigen Förderquoten bis Jahresende beizubehalten. Derzeit fördern die zehn Mitglieder des Förderkartells täglich 21,7 Millionen Fass (je 159 Liter), das elfte Mitglied, der Irak, ist nicht Teil der im Jänner vereinbarten Quotenregelung. Am 12. Dezember will die Opec auf einer Sondersitzung an ihrem Hauptsitz in Wien über Marktlage und mögliche Förderausweitungen beraten.

Trotz der Besorgnis, die hohen Ölpreise und sinkenden Lagerbestände könnten die Erholung der Weltwirtschaft beeinträchtigen, kamen die Minister überein, dass es gegenwärtig genügend Öl im Markt gibt. Das Verhältnis von Produktion und Nachfrage sei normal, sagte der irakische Vize-Ölminister und Delegationsleiter Saddam Z. Hasan.

Laut Angaben des nigerianischen Opec-Präsidenten Rilwanu Lukman wird das Kartell erst dann die Förderung ausweiten, wenn der Preis für ein Fass Opec-Öl über 28 Dollar klettert. Derzeit ist der Korbpreis für Öl des Förderkartells noch unter dieser Marke. Gegenüber der europäischen Leitsorte Brent ist Opec-Öl wegen Abschlägen für Qualität und Transport um rund zwei Dollar billiger.

Einfacher Mechanismus

Für eine Ausweitung der Förderung gilt ein einfacher Mechanismus: Die Produktion wird um 500.000 Barrel pro Tag gesteigert, sollte der Preis 20 Tage hintereinander über 28 Dollar liegen. Sollte er dagegen zehn Tage hintereinander unter 22 Dollar liegen, werde die Förderung um täglich 500.000 Barrel gesenkt. Die Opec strebt einen Preis zwischen 22 und 28 Dollar an.

Zugleich machte die Opec klar, dass man eine im Schlepptau eines drohenden Irak-Krieges befürchtete Explosion des Ölpreises verhindern und auf einen möglichen Engpass bei der Öl-Versorgung mit einer Produktionssteigerung reagieren werde. "Wir werden auf Engpässe reagieren, ganz gleich was das Ereignis oder die Ursachen sind", sagte Saudi-Arabiens Ölminister Ali al Naimi am Rande des Opec-Treffens.

Zwei Lager

Das Kartell war vor der Tagung in zwei Lager gespalten. Saudi-Arabien als größter Ölproduzent soll zunächst eine Anhebung der Fördermengen befürwortet haben, andere Staaten waren jedoch dagegen. Der gegenwärtige Anstieg bei den Rohölpreisen gehe auf politische Faktoren zurück und nicht auf Gründe auf der Angebotsseite, sagte Omans Ölminister Mohammed al-Rumhi.

Vor dem Hintergrund der Kriegsdrohungen gegen Irak und einer möglichen Nachfragesteigerung durch den nahenden Winter auf der Nordhalbkugel war der Ölpreis zwischenzeitlich bis an die 30 Dollar je Barrel geklettert. Die darin enthaltene Kriegsprämie beziffern Händler mit fünf bis sechs Dollar. Die jetzt verlängerte Opec-Quote ist die niedrigste Produktionsmenge seit zehn Jahren. (Reuters/APA/DER STANDARD, Printausgabe 20.9.2002)

Kommentar

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