Rätselhafte Werbeanzeige für Schröder

18. September 2002, 19:47
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Auftraggeber der ganzseitigen Zeitungsanzeige einer "Initiative Mittelstand" geheim

Berlin - In Deutschland haben vier Tage vor der Bundestagswahl ganzseitige Zeitungsanzeigen einer "Initiative Mittelstand" für die Wiederwahl von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Irritationen ausgelöst. Der Initiator ist unbekannt. Die am Mittwoch geschalteten Annoncen erregten energischen Widerspruch von Mittelstandsverbänden. Wer hinter der kostspieligen Anzeige stehe, sei unbekannt, stellten sie in einer Erklärung fest. Sicher sei: "Der Mittelstand ist es nicht."

Die Redaktion von "Spiegel Online" sprach mit dem als Aufgeber der Anzeigen in großen überregionalen Zeitungen genannten Leif Tom Loose aus Hamburg. Der PR-Agent erklärte, man habe sich den Namen "Initiative Mittelstand" ausgedacht, der Mittelstand stecke aber nicht dahinter. Den tatsächlichen Auftraggeber dürfe er nicht nennen.

In der "Süddeutschen Zeitung" ist die Anzeige wie eine Stellen- Ausschreibung "für die Legislaturperiode 2002 bis 2006" geschrieben. Als Mit-Voraussetzungen werden genannt "4 Jahre Berufserfahrungen in dieser Position". Eine Anzeige dieser Art kostet 35.000 Euro. Dazu kämen "Rhetorische Sicherheit, Vermeidung des Wortes "äh"" dargestellt - womit wohl Schröders Konkurrent Edmund Stoiber als geeigneter Kandidat ausfallen soll. Ferner: "Wir suchen eine ausgewiesene Führungspersönlichkeit, die auch ohne ein überaltertes Kompetenzteam zukunftsfähige Entscheidungen treffen kann."

Im "Handelsblatt" ist groß ein Feldhase abgebildet unter dem Fragetitel: "Auf Zick-Zack-Kurs ins Kanzleramt?" Und weiter: "Kann Deutschland einen Kandidaten wählen, der nicht weiß, was er will?", heißt es zu angeblichen Meinungswechseln Stoibers in der Irak-Frage, bei der Flutschäden-Finanzierung und zu anderen Themen.

Die mittelständischen Verbände hatten sich jüngst erneut hinter dem Kandidaten Stoiber aufgestellt. Jetzt erklärten sie, sie distanzierten sich von der Anzeige. Man nehme nicht einseitig Partei, habe aber klare politische Forderungen.(APA/dpa)

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