Mit Opa unterwegs zum Start-up

18. September 2002, 19:24
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Wie der designierte CDU-Superminister Späth Wahlkampf macht

Berlin - Etwas verloren steht er da und schaut "den Jungs" über die Schulter, was sie da auf ihrem Computer machen. "Braucht man dazu lange, um das zu lernen?", will der CDU-Politiker, der im November 65 Jahre alt wird, von einem Mann wissen, der Spiele auf dem Computer für Handys kreiert und mit seinen rund 40 Jahren zu den Ältesten im Berliner Start-up-Unternehmen "Jamba" gehört. Der Gefragte mustert ihn. "Naja, ich habe schon ein paar Monate gebraucht." Späth führt den Gedanken und den Satz weiter: "Und ein Opa wie ich, meinen Sie, braucht lang."

Späth, der von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber zum Superminister für Wirtschaft und Arbeit auserkoren wurde, will sich informieren, "was die jungen Betriebe brauchen", um dies dann nach einem Wahlsieg umzusetzen, wie er verspricht. Seine Erkenntnis, wie Deutschland die Massenarbeitslosigkeit abbauen könne, teilt er den Firmengründern mit: "Man muss in Berlin anfangen. Wenn sich rumspricht, da gibts lustige Jobs wie bei Euch, dann funktioniert das schon. Da braucht man keine Hilfe vom Staat. Die Opas wie mich braucht ihr nur für den Aufsichtsrat."

Oliver Samwer, einer der Firmengründer, pflichtet bei. "Es ist schon gut, dass wir die 50+-Leute im Aufsichtsrat haben. Wenn man die hat, geht es leichter bei den Banken." Dann verweist er aber auf das Durchschnittsalter von 27 Jahren im Betrieb.

Bei Auftritten wie diesem merkt man Späth an, dass ihm der Wahlkampf Spaß macht. Nach seinem Rücktritt wegen Flugaffären 1991 nach zwölf Jahren als Ministerpräsident von Baden-Württemberg und elf Jahren als Firmenchef von Jenoptik in Ostdeutschland will Späth es noch einmal wissen. Warum er sich das mit 65 antue? "Das fragt meine Frau mich auch immer", sagt Späth lachend. (afs/DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2002)

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