Osteuropa von Aids bedroht

18. September 2002, 19:07
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Immunschwächekrankheit hat in dieser Region die weltweit rascheste Ausbreitung

Wien/New York - "HIV/Aids breitet sich in Teilen Ost- und Zentraleuropas und der ehemaligen Sowjetunion rascher aus als irgendwo anders auf der Welt" - Diese alarmierende Feststellung macht das UN-Kinderhilfswerk Unicef in sei-nem neuen Sozialbericht ("So-cial Monitor 2002"), der am Mittwoch vorgestellt wurde. Die meisten Betroffenen sind demnach Kinder und Jugendliche. Die Immunschwächekrankheit bedrohe praktisch ungehindert bereits große Teile der Gesamtbevölkerung.

"In Zentral- und Osteuropa sowie in den Staaten der ehemaligen UdSSR gab es Ende 2001 bereits geschätzt eine Million Menschen, die HIV-infiziert oder aidskrank waren. Ein Jahr vorher waren es noch 700.00, 1998 rund 420.000. In dieser Weltregion leiden bereits rund 13.000 Menschen an Aids, mehr als 5000 sind schon gestorben", stellen die Experten fest.

Katastrophe befürchtet

"Die Folgen für das Wirtschaftswachstum und die soziale Stabilität der Region sind alarmierend", sagte dazu die Unicef-Direktorin Carol Bellamy. "In dieser Region trägt HIV/Aids ein junges Gesicht. Die meisten Neuinfektionen betreffen junge Menschen. Ihr geringes Bewusstsein hinsichtlich HIV/Aids, kombiniert mit zunehmend risikoreichem Verhalten, kündigt eine Katastrophe an.

Es ist klar, dass der Ernst der Lage unterschätzt und wertvolle Zeit verloren wurde. Ohne sofortige und radikale Maßnahmen kann die Ausbreitung der Krankheit kaum gestoppt werden."

Die Hauptursachen für die rasche Ausbreitung von HIV/ Aids in der Region: Verstärkter Missbrauch von injizierbaren Drogen, frühe sexuelle Aktivität und steigende Zahl von Prostituierten. Der Unicef-Bericht zeigt aber auch, dass sich immer mehr Menschen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr infizieren. 1996 wurden in Weißrussland acht Prozent aller Neuinfektionen ungeschütztem Geschlechtsverkehr zugeschrieben, in der ersten Hälfte des Jahres 2001 bereits 32 Prozent.

Das hohe Vorkommen von Syphilis oder Gonorrhoe weist darauf hin, dass Aids sich auch auf diesem Weg rasch ausbreiten wird. Auch die hohe Zahl von infizierten Frauen spricht für einen Anstieg der sexuellen Übertragung. Zwischen 1997 und 2000 waren 25 Prozent aller HIV-Infizierten Frauen. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2002)

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