Der Prater als Geschmacksfrage

19. September 2002, 08:43
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Ausschreibung für "Prater neu" ab Oktober - drei Bewerber

Wien - Den vorherrschenden "schlechten Geschmack im Prater" will Bernhard Paul abstellen. Mit seinen eigenen Ideen und seinen eigenen Schauobjekten aus der Zirkuswelt, meint der Chef des Circus Roncalli.

Seit vielen Jahren restauriere er Karusselle und Zirkusutensilien, die er auf einem "mindestens 40.000 Quadratmeter großen Grundstück", das die Stadt zur Verfügung stellen solle, zeigen würde. Über Eintrittsgelder gedenkt er sein Projekt nun zu finanzieren.

Bisher sind Pauls Pläne gescheitert: an zu hohen finanziellen Forderungen an die Stadt; zudem gelten die Praterunternehmer nicht als Befürworter seiner Konzepte - weiterhin geht Bernhard Paul mit den lokalen Schaubuden-und Imbissstandbesitzern wenig schmeichelhaft um. Das Essen sei teilweise so schlecht, dass man sich gar nicht drübertraue. Bungee-jumping mit Discomusik sei auch nicht das, was er sich in den Praterauen vorstelle.

Nicht zufällig macht der Roncalli-Chef für sich auch auf Politikerebene Stimmung - beginnt doch Anfang Oktober die Ausschreibung zur Neugestaltung des Vergnügungsviertels. Er ist, neben zwei Mitbewerbern, eingeladen, ein Konzept zu präsentieren. Sein Konzept muss gegen internationale Konkurrenz bestehen. Ein französischer Investor bewirbt sich als "Spezialist für die Revitalisierung von Vergnügungsparks", wie es aus dem Stadtratsbüro heißt. Dazu ist Stefan Seigner, Weggefährte André Hellers ("Begnadete Körper"), zur Präsentation eingeladen. Er hat bereits das Umfeld zum Riesenrad neu gestaltet. Ob ein weiteres Unternehmen, das die manchen Besuchern kurios anmutende "Anderswelt" im Waldviertel gestaltet hat, zur Konzepterstellung eingeladen wird, ist offen.

Stadträtin Grete Laska (SP) wird dann bis Anfang nächsten Jahres entscheiden, wer "das typisch Wienerische" im Prater am besten erhalten kann. Sie wünscht kein Disneyland hingebaut zu bekommen. In Aussicht gestellt ist, dass die Wiener und Wienerinnen selbst deponieren dürfen, was sie sich im neuen Prater zu ihrer Unterhaltung wünschen. Dafür wird ein Internetforum eingerichtet. (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2002)

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