Opec vor Zerreißprobe

18. September 2002, 18:59
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Saudis fürchten irakische Ölschwemme nach Machtwechsel

Wien - Zur Abstimmung der weiteren Förderpolitik kommen die Opec-Ölminister heute, Donnerstag, zu einem offiziellen Gipfel in Osaka (Japan) zusammen. Ungeachtet des US-Drucks auf das Kartell, die Hähne aufzudrehen, hat die Opec schon vor dem Treffen höhere Quoten ausgeschlossen. Begründung: Es gibt derzeit genug Öl am Markt.

In Osaka dürfte das Thema Frage Irak eine wichtigere Rolle spielen als welches Land wie viel produziert. Bagdad ist derzeit nicht Teil des Quotenregimes. Innerhalb der Opec werden die Stimmen jener lauter, die schon über die Rolle des Iraks nach einem Sturz von Saddam Hussein nachdenken.

Mengen- und Preiskrieg droht

Nach einem Regimewechsel in Bagdad könnte die irakische Ölindustrie rasch die Förderung hochfahren und statt jetzt 1,5 Mio. Fass sieben Mio. Barrel pro Tag aus dem Boden holen. Damit würde der Irak fast soviel fördern wie die Saudis. Die Folge wäre wohl ein beinharter Mengen- und Preiskrieg zwischen Bagdad und Riad. Russische, französische und chinesische Ölkonzerne haben bereits Verträge über Milliardeninvestitionen abgeschlossen, die nach einer Rückkehr des Irak in die westliche Gemeinschaft sprudeln würden. Die Multis werden für ihre Investments freie Hand bei der Förderpolitik erhalten, meinen Insider. Das wäre das Ende des Einflusses der Opec auf die Gestaltung des Ölpreises.

Dazu kommt: Eine Quotenerhöhung würde bloß die mangelnde Disziplin des Kartells kaschieren, mehr Öl käme nicht auf den Markt: Laut US-Energieministerium wird die Opec im vierten Quartal um zwei Mio. Fass (knapp zehn Prozent) mehr fördern als vereinbart. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 19.9.2002)

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