Der einstige Tribun wird nervös

18. September 2002, 18:43
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Meciar droht schwere Niederlage

Bratislava - Trotz scharfer Kritik aus dem In-und Ausland kann Vladimír Meciar als einer der wenigen Politiker der Slowakei immer noch viele Hundert Sympathisanten zu Wahlveranstaltungen locken. Wenige Tage vor der Wahl hielt der umstrittene Expremier aber plötzlich keine Kundgebungen mehr ab. Begründung von Sergej Kozlík, seinem Stellvertreter in der Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS): Genau wie 1998 sehe sich Meciar wieder Provokationen ausgesetzt.

Tatsächlich scheint Meciar zunehmend nervös zu werden. Kozlíks Erklärung bezog sich vermutlich auf einen Vorfall, bei dem Meciar vor dem Gebäude des slowakischen Rundfunks in Bratislava einen TV-Reporter verbal und beinahe auch physisch angegriffen hat. Zu einem weiteren Zwischenfall kam es zwei Tage darauf, als der HZDS-Chef ein TV-Duell wegen angeblich zu persönlicher Fragen des Moderators (über die Finanzierung seiner Villa) nach kaum drei Minuten verließ.

Der HZDS droht zum ersten Mal seit ihrer Gründung ein Wahlfiasko. Ursache sind weniger die Warnungen, dass eine Rückkehr Meciars an die Macht den Beitritt des Landes zu Nato und EU gefährden könnte, sondern vor allem die Spaltung der Partei. Wegen Nichtberücksichtigung auf der Kandidatenliste gründeten mehrere bekannte Persönlichkeiten, unter ihnen der ehemalige zweite Mann der HZDS, Ivan Gasparovic, eine eigene Gruppierung, die Partei für Demokratie (HZD). Nicht nur der Name, auch das Programm ist sehr ähnlich. Mit einem Teil der Parteibasis liefen auch viele Sympathisanten zu Gasparovic über, was die HZDS bis zu zehn Prozentpunkte an Stimmen kosten könnte. (rka/DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2002)

  • Lästige Fragen zu seiner Villa: Meciar attackiert einen TV-Reporter
    foto: epa/ctk/tv joj

    Lästige Fragen zu seiner Villa: Meciar attackiert einen TV-Reporter

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