Ein dritter Weg mit ziemlich vagen Zielen

18. September 2002, 18:39
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Róbert Fico hält sich alle Optionen offen

Die Wahlen würden mit Sicherheit eine große Überraschung bringen, behauptete Róbert Fico, Gründer und Vorsitzender von "Smer" (Richtung), der so genannten Partei des dritten Weges, im Walkampffinale. Ob zugunsten oder zum Nachteil seiner in jüngsten Umfragen an der Spitze liegenden Partei, darauf wollte sich der 38-jährige Jurist und einstige Vizechef der linksdemokratischen SDL nicht festlegen. Aus seinen Ambitionen, der nächste Regierungschef zu werden, hat Fico nie ein Geheimnis gemacht. Bei vielen Wählern punktet der von Rivalen als Populist bezeichnete Politiker vor allem mit dem Versprechen, Recht und Ordnung wieder herzustellen und neue, nicht diskreditierte Menschen in die Politik zu bringen. Insgesamt erscheint das Wahlprogramm der Fico-Partei als eher linksorientiert, vor allem wegen der angestrebten staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft.

Im Gegensatz zu seinen politischen Gegnern, die nur in einer breiten Koalition eine Garantie für die Kontinuität des proeuropäischen Kurses der Slowakei sehen, will er aber nur zwei oder drei Parteien in der nächsten Regierung sehen - welche, lässt er offen.

Nicht als Partner infrage kommen für Fico nur einige Personen, die er für Missstände verantwortlich macht - Vladimír Meciar und der amtierende Premier Mikulás Dzurinda eingeschlossen.

Das bisher sehr gute Verhältnis von Smer zum Ausland könnte in Zukunft belastet werden, und zwar durch die Haltung des Parteichefs zur Atomenergie. Fico stellt nämlich die geplante schrittweise Abschaltung des Atomkraftwerks Bohunice (2006/ 2008) infrage und lässt keine Zweifel an der Notwendigkeit, zwei weitere Reaktorblöcke des AKW Mochovce zu bauen.(DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2002)

Renata Kubicová aus Bratislava
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    Robert Fico: Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft

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