Nord- und Südkorea machen symbolischen Schritt zur Versöhnung

18. September 2002, 16:47
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Baubeginn von grenzüberschreitendem Verkehrsprojekt

Seoul/Dorasan - Mit dem Start eines gemeinsamen Verkehrsprojektes haben Nord- und Südkorea ein halbes Jahrhundert nach ihrer Teilung einen symbolischen Schritt zur Versöhnung gemacht. Mit Zeremonien auf beiden Seiten der Pufferzone feierten beide Staaten am Mittwoch den Baubeginn zum Lückenschluss bei grenzüberschreitenden Bahnen und Straßen. Am Donnerstag sollten nord- und südkoreanische Soldaten mit dem Abriss von Stacheldrahtzäunen und der Räumung von Landminen innerhalb der entmilitarisierten Zone beginnen. International wurde die Zusammenarbeit als Zeichen der Hoffnung für den koreanischen Versöhnungsprozess gewertet.

Südkoreanische Soldaten öffneten das seit fast 50 Jahren verschlossene drei Meter hohe Metalltor am Grenzort Dorasan. "Wir begraben eine von den Narben des Krieges und dem Schmerz der Teilung geprägte Geschichte", sagte der designierte südkoreanische Ministerpräsident Kim Suk Soo bei der Zeremonie. Begleitet von Feuerwerk und mit einer Rose in der Hand umarmten sich ein in weiß gekleidetes Mädchen - Symbol für den Norden - und ein schwarz gekleideter Junge - Symbol des Südens. Südkoreanische Politiker und ausländische Diplomaten verfolgten die Zeremonie. "Der Norden hat uns über seine gleichzeitigen Veranstaltungen informiert", sagte Kim Jung Ro vom südkoreanischen Vereinigungsministerium. Auch im Fernsehen waren die Feiern auf der nordkoreanischen Seite zu sehen.

Vor Baubeginn müssen tausende Minen geräumt werden, die nach dem Ende des Koreakriegs (1950 bis 1953) im Grenzgebiet vergraben worden waren. "Wir sind bereit, morgen zu beginnen", sagte der südkoreanische Armeehauptmann Lee Jong Hyon. Am Dienstag hatten beide Staaten ein Militärabkommen über die Sicherheit ihrer Minenräumtrupps verabschiedet. Die Pufferzone ist vier Kilometer breit und 250 Kilometer lang.

Bereits vor zwei Jahren hatten sich Pjöngjang und Seoul auf das gemeinsame Projekt geeinigt, hatten den Baubeginn wegen der angespannten Beziehungen jedoch immer wieder aufgeschoben. Noch im Juni hatten sich nord- und südkoreanische Kampfschiffe im Gelben Meer ein Seegefecht geliefert. Ende August wurde schließlich der Baubeginn beschlossen. Die Bahnstrecke soll bis Ende des Jahres fertig gestellt sein; die parallel verlaufende Straße bis Frühjahr 2003. Bisher gibt es keine Verkehrsverbindungen zwischen dem kommunistischen Norden und dem westlich orientierten Süden. Nord- und Südkorea haben seit dem Waffenstillstand von 1953 keinen Friedensvertrag abgeschlossen, befinden sich also offiziell bis heute im Kriegszustand.

In jüngster Zeit schlug Pjöngjang mildere Töne an, offenbar als Zeichen an US-Präsident George W. Bush, der Nordkorea als Teil einer "Achse des Bösen" bezeichnet hatte. Bei einem historischen Gipfeltreffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi am Dienstag hatte sich Staatschef Kim Jong Il überraschend für die Verschleppung japanischer Bürger in den 70er und 80er Jahren entschuldigt. Gemeinsam vereinbarten Nordkorea und Japan die baldige Aufnahme eines Versöhnungsdialogs. Nach dem Gipfeltreffen kündigten die USA an, ihre Haltung zu Pjöngjang zu überdenken.

Russland und China, die traditionell gute Beziehungen zum stalinistischen Nordkorea unterhalten, begrüßten die Annäherung zwischen Seoul und Pjöngjang. "Russland ist zutiefst zufrieden über diesen bedeutenden und symbolischen Schritt", sagte der russische Präsident Wladimir Putin in einem Glückwunschschreiben an beide Regierungen. Auch Frankreichs Präsident Jacques Chirac übermittelte ein Schreiben, in dem er seine Hoffnung auf Versöhnung ausdrückte.

Nach der Gipfelvereinbarung zwischen Nordkorea und Japan lobte das Außenministerium in Seoul am Mittwoch die Entscheidung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il zur Verlängerung des Raketentestmoratoriums und zur Befolgung internationaler Abkommen über Atomfragen. Bei den Gesprächen soll es auch um in den 70er und 80er Jahren von Nordkorea entführte Japaner gehen. "Wir möchten den Überlebenden möglichst bald die Möglichkeit geben, ihre Familien wieder zu treffen", sagte ein japanischer Regierungssprecher. (APA/dpa)

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