Offener Brief der Deutschen Intendanten

20. September 2002, 12:00
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Marthaler soll bleiben dürfen

Dresden - Die Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein hat sich für den Verbleib von Christoph Marthaler als Intendant am Schauspielhaus Zürich ausgesprochen. In einem Offenen Brief bitten sie den Verwaltungsrat, die Entlassung zu überdenken.

"Sie würden damit ein deutliches Zeichen dafür setzen, dass an Ihrem Haus, das zu den bedeutendsten Sprechbühnen Europas zählt, das Unbequeme, das Neue, das Innovative gewollt ist", schreibt Vorsitzender Holk Freytag in dem am Mittwoch in Dresden verbreiteten Papier.

Marthaler gehöre "zu den wenigen wirklich innovativen Theaterkünstlern", wofür die zahlreichen Auszeichnungen seiner Arbeit sprächen. "Dass Sie eine Theaterarbeit nach nur zwei Spielzeiten für beendet erklären, zeugt von einer Atemlosigkeit, die der Feind jeder Kunst ist."

Das Zürcher Schauspielhaus stehe für das beharrliche Vertreten von Standpunkten. Es sei im Zweiten Weltkrieg Zufluchtsort derer gewesen, die der nationalsozialistischen Barbarei entkamen. "Umso beklemmender sind die Attribute, mit denen Marthalers Arbeit versehen wird und die nun seine Entlassung begleiten." (APA/dpa)

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