Ein braver Diener seiner Partei

18. September 2002, 19:27
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Schweitzer am Karrieresprung - Generalsekretär wird Nachfolger Westenthalers als Klubobmann

Wien - Vergangene Woche, am Höhepunkt der parteiinternen Krise, als ein Kommen und Gehen an der Parteispitze herrschte, soll Karl Schweitzer in Tränen ausgebrochen sein. Nicht alleine, im stillen Kämmerchen, sondern mitten in der Runde seiner Parteifreunde ereilte den Generalsekretär ein Weinkrampf. Die Aufregung und Anstrengung der vergangenen Tage waren zu viel für den braven Parteisoldaten. Dem Peter Westenthaler, souveräner, wenn auch nicht unbedingt geliebter Klubchef der FPÖ, wäre solch ein emotionaler Ausbruch so nicht passiert.

Der Burgenländer Karl Schweitzer, der Westenthaler als Chef im freiheitlichen Parlamentsklub nachfolgen soll, hat in der Partei schon etliche persönliche Auf- und Abbewegungen mitgemacht. Sein erster Karrieresprung endete 1986 mit einem persönlichem Bauchfleck. Damals wurde Schweitzer ein Naheverhältnis zu den Schülern vorgeworfen, die den jüdischen Friedhof in Eisenstadt verwüstet hatten. Dass er die Vorwürfe bestritt, nützte ihm nichts - den Job als FPÖ-Bundesgeschäftsführer war er los.

Im Herbst 2001 hat er mehr als einmal nachgedacht, ob er sich höhere Parteiweihen, den Generalsekretär, noch einmal antun soll. Weihen bedeuten Risiko und Stress - zwei Dinge, ohne die Schweitzer auf der Hinterbank des Parlaments eigentlich ganz gut ausgekommen ist. Aber wenn die Partei ruft, dann sagt der "Schweitzer-Karli", wie er FPÖ-intern heißt, nicht Nein. Ist er doch loyal. Zuletzt wurde er auf die harte Bewährungsprobe gestellt, zu wem er loyal sein sollte - zu Susanne Riess-Passer oder zu Jörg Haider, dem Übervater. Und entschied sich für Riess-Passer, ohne bei Haider allzu sehr auf Distanz zu gehen.

Bei den Abgeordneten im freiheitlichen Parlamentsklub ist Schweitzer recht beliebt, weil er sich aus allen Streitigkeiten herausgehalten hat. Und wenn Peter Westenthaler beschäftigt war, das war er meistens, hat der "Karli" für die Mandatare immer Zeit und ein offenes Ohr gehabt. (eli, völ/DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2002)

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    Ein Burgenländer folgt auf den Simmeringer

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